Mittwoch, 1. Januar 2020
Eine Session (10)
„Er würde sich freuen!“ antwortet Ilona.
„Ja, richtig,“ gebe ich ihr Recht. „Er würde seinen Ruheplatz verlassen, näherkommen, ganz ohne das Kommando ‚ZU MIR‘. Er würde vor mir SITZ machen, mit dem Hintern wackeln, vor Ungeduld einen halben Schritt vor und zurück machen. Sich also aufgeregt zeigen.“
Ilona steigt von der Couch herunter, nähert sich mir und probiert das beschriebene Programm abzuspulen. Ich lasse sie einige Sekunden gewähren und werfe den Ball dann in eine Zimmerecke. Sie stoppt ihr Programm und schaut dem Ball hinterher.
Nun muss ich doch breit grinsen und sage: „HOL! Hol den Ball!“
Sie läuft sofort auf allen Vieren zum Ball, beugt sich herunter und nimmt ihn auf, um ihn zu mir zurückzubringen. Bei mir angekommen, gibt sie ihn mir zurück und schaut mich fragend an.
Ihr ein Leckerlie gebend, lobe ich sie:
„Gutes Mädchen! Aber wenn du so aufgeregt tust, darfst du auch ohne Kommando dem Ball hinterher! Denk immer daran, du bist kein Roboter! Du funktionierst nicht auf Kommando, sondern nach Gefühl. Die Kommandos dienen mir nur dazu, dich zu führen, dir einen Antrieb in eine gewollte Richtung zu geben oder dich von etwas Gefährlichem zurückzurufen.“
Sie drängt sich nun an meinen Oberschenkel und reibt sich daran mit ihrer Seite. Ich beuge mich also zu ihr und streichele ihr sanft durch ihr Haar und über ihren Rücken.
Wir üben danach noch einmal die verschiedenen Kommandos. Hier und da korrigiere ich sie sanft. Bei „MACH MÄNNCHEN“ müssen wir schließlich beide lachen und ich halte sie fest, damit sie sicherer steht. Anschließend meine ich:
„Wir sollten für heute Schluss machen, Ilona. Ich bringe dich zum Hotel, zeige dir dein Zimmer und dann verabschieden wir uns bis Morgen. Um 9Uhr machen sie uns das Frühstück und um 10Uhr10 geht der Bus zurück zum Bahnhof. Gern begleite ich dich bis zur Abfahrt deines Zuges!“
Ilona macht ein enttäuschtes Gesicht, während ich spreche, steht aber dennoch auf und setzt sich auf einen Stuhl. Ich hole ihre Schuhe und helfe ihr in die Jacke. Dabei sage ich beruhigend:
„Denke heute Nacht und gerne auch in den nächsten Tagen über das Erlebte nach. Du hast mich vor zwei Wochen angeschrieben ‚Ich möchte gerne ein Hund sein.‘ Heute warst du einer. Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht! Vielleicht kommst du ja wieder…“
Ihre Augen leuchten, als sie mir erwidert:
„Das hat wirklich Spaß gemacht! So ganz ohne SM… Ich wusste vorher gar nicht, dass das ohne SM überhaupt möglich ist. Du hast mir da eine Tür in eine andere Welt aufgestoßen!“
„Das freut mich, Ilona! Besuche mich gerne, so oft du magst.“
Wir haben inzwischen das Mehrfamilienhaus verlassen und sind wenige Minuten später am Gästeeingang der Gastwirtschaft angekommen. Ich führe sie die Treppe hinauf und zeige Ilona ihr Zimmer. Wir verabschieden uns an der Zimmertür und ich gehe nachhause.

*

Am nächsten Morgen betrete ich pünktlich den Schankraum. Die Kellnerin ist schon bei der Arbeit. Sie hat einen Tisch für uns beide gedeckt und fordert mich zum Setzen auf. Danach bringt sie schon Brot, Brötchen, Aufschnitt, Marmelade und Kaffee für Ilona und mich.
Kurz darauf steht Ilona in der Tür zum Schankraum.
„Hey, guten Morgen!“ begrüße ich sie, froh lächelnd. „Wie war die Nacht?“
„Ganz gut!“ lächelt sie zurück und setzt sich mir gegenüber an den Tisch. Wir beginnen zu frühstücken. Wie beiläufig frage ich nach ein paar Minuten gespannt:
„Und wie hat dir der gestrige Tag gefallen?“
„Oh, der war sehr aufschlussreich!“ meint sie.
Lächelnd nickend, sage ich:
„Ich frage einmal nicht, ob du dich nach der Session total entspannt gefragt hast ‚Wo ist denn die Zeit geblieben?‘. So etwas erlebst du eher, wenn du voller Vertrauen die Verantwortung ganz abgeben kannst und statt rational, nur noch emotional handelst. Dazu dürfte dir der Tag gestern noch zu neu gewesen sein. Ständig neue Eindrücke verarbeitend, wirst du eher aufgeregt, als entspannt gewesen sein…“
Nach ein paar Bissen nickt Ilona und meint:
„Das stimmt wohl. Aufschlussreich war zum einen, dass du mich nie bestraft hast, wenn ich etwas gemacht habe…“
Ich nicke und antworte:
„Du musst dich vom Petslave lösen und daran denken, wie würde man einem echten Hund gegenübertreten. Ein Tier würdest du auch nie schlagen, sondern du tust alles, damit er sich bei dir sicher und geborgen fühlt.“
Sie nickt ebenso und ergänzt:
„Auch dass ich meine Gefühle ausleben sollte, war mir neu. Das bin ich so gar nicht gewohnt. Das braucht sicher noch einige Zeit.“
„Aber ja,“ sage ich. „Lass dir Zeit! Das wird mehr und mehr geschehen. Ich mache dir einen Vorschlag: Wenn du zuhause Ruhe hast, geh ruhig einmal auf alle Viere und spiele spontan mit einem Ball aus zusammengeknülltem Papier, wie die Rollenspieler in den kleinen Videos.



Sonntag, 29. Dezember 2019
Eine Session (9)
„Hm,“ mache ich. „Gehen wir weiter zurück, zu den Vorfahren der Hunde, den Wölfen: Würde ein Wolf einen Anderen ständig provozieren, käme Unruhe ins Rudel. Irgendwann würde es auseinanderfallen. Es gäbe keine gemeinsamen Jagden mehr. Die Nahrungsbeschaffung würde schwieriger. Daher sind die Beschwichtigungsgesten untereinander so wichtig. Das Alphatier hat die Führungsaufgabe. Es darf durch Drohen Unruhestifter in die Schranken weisen. Bei Hunden ist der Mensch das Alphatier und die Beiden bilden das Rudel.
Womit sonst noch? Es gibt eine ganze Palette von Beschwichtigungssignalen oder -gesten. Zum Beispiel ‚den Kopf abwenden‘, ‚die Pfote heben‘, ‚ohne Grund auf dem Boden herumschnüffeln‘, also Desinteresse demonstrieren. Das geht bis zum ‚auf den Rücken legen und den Hals präsentieren‘, die Unterwerfungsgeste.
Ein Hund der sich verstanden fühlt, fühlt sich sicher und geborgen. Beim Gegenteil kann er sogar Angstaggressionen entwickeln. Dann gibt es da die sogenannten ‚Übersprungshandlungen‘: Der Hund gerät in eine Stresssituation und kann sich weder für Flucht, noch für Angriff entscheiden. Dann gähnt er zum Beispiel oft, oder er kratzt sich.“
Ilona hat scheinbar genug gehört. Der Vortrag war bestimmt zu lange. Sie rutscht von der Couch, schaut sich um und läuft zum Ball, um ihn mit den Zähnen aufzunehmen. Sie bringt ihn zu mir und lässt ihn in meine offene Hand fallen. Dabei schaut sie mich erwartungsvoll an. Ich lächele breit, gebe ihr ein Gummibärchen und streich mit der Hand über ihr Haar. Dazu sage ich:
„Gutes Mädchen!“
Ich werfe den Ball wieder ein paar Meter weg und wiederhole das Kommando „HOL!“
Sofort dreht sie um und läuft zum Ball, um ihn bei mir danach gegen ein Gummibärchen auszutauschen. Das machen wir mehrmals hintereinander, bis ihr anscheinend wieder eine Idee gekommen ist. Als sie mir gerade wieder den Ball zurückgebracht hat, fragt sie:
„Also, ich soll meine Gefühle nach außen tragen. Ich soll zeigen, wenn ich mich über irgendetwas freue, wenn ich traurig bin, und so weiter. Wie zeige ich denn als Hund meine Gefühle?“
„Ah,“ mache ich. „Willst du zeigen, wie es in dir aussieht, dann überlege ein-mal: Nehmen wir als Beispiel ‚Herrchen kommt nachhause‘ und ‚Herrchen verlässt die Wohnung‘. Im ersten Fall freust du dich, im Zweiten bist du traurig.
Also… Im ersten Fall würdest du als Hund mit dem Schwanz wedeln. Die Geste ‚freudige Erwartung‘ hatten wir eben schon: Als Doggie würdest du mit der Hüfte wackeln und zu mir aufschauen, gestreichelt werden wollen, dich mit der Wange oder Flanke an meinem Bein reiben.
Im anderen Fall, du bist traurig, machst du PLATZ und winselst dabei. Schaust mich mit traurigen Augen an.
Andere Gefühle wie Neugier zum Beispiel: Du schnüffelst, kommst mit der Nase näher. Oder du fühlst dich einsam, dann näherst du dich und drängst dich an mich…“
„Ah, okay,“ meint Ilona nun. „Das erscheint mir relativ einfach.“
Ich nicke aufmunternd.
„Das ist es auch,“ sage ich aufmunternd. „Und das andere… Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Alles braucht seine Zeit! Bis dahin ist ‚Fehler machen‘ kein Problem. Wir lachen dann darüber, haben Spaß und ich korrigiere dich unermüdlich!“
„Keine Strafe bei Fehlern?“ fragt sie noch einmal nach, und schaut mich zweifelnd an.
Kopfschüttelnd antworte ich:
„Ich bin kein SMler! Ich brauche keine Fehler von dir, als Grund um dich zu züchtigen. Mein Petplay zielt auf den gemeinsamen Spaß an der Sache.
Ja, es ist relativ einfach, sich wie ein echter Hund zu benehmen. Machen wir einmal einen kleinen Test: Ich gehe zur Toilette, lasse dich also ein paar Minuten alleine. Erinnere dich, wie ein Hund gefühlsmäßig reagiert…“
Ich erhebe mich nun von der Couch und gehe zur Flurtüre, wo ich mich zu ihr umwende. Ilona schaut mir traurig nach und beginnt zu winseln.
Kurz darauf bin ich im Flur und ziehe die Badtür hinter mir zu. Nach einigen Minuten komme ich wieder ins Wohnzimmer zurück. Ilona liegt immer noch auf der Couch, die Flurtür fest im Blick. Jetzt erhebt sie sich auf Hände und Knie, lächelt mir entgegen und wackelt mit dem Hintern. Ich lächele erfreut und sage zu ihr:
„Genauso macht das ein Hund, und so sollte sich meine Doggie auch verhalten. Das wäre eine Aufgabe für dich, es selbstständig immer wieder zu machen!“
Mich nach dem Knotenball umschauend, gehe ich dorthin und nehme ihn vom Boden auf. Ich drehe mich zu ihr und sehe, dass sie mir mit den Augen gefolgt ist. Erwartungsvoll zeige ich ihr den Ball und frage sie:
„Wie würde sich ein Hund verhalten, wenn ich ihm ein Spielzeug hinhalte und ihm damit die Aussicht auf ein Spiel gebe, ihm Aufmerksamkeit schenke?“



Samstag, 28. Dezember 2019
Eine Session (8)
Bei mir angekommen macht sie SITZ und schaut mich auffordernd an. Ich lächele und lobe sie:
„Gutes Mädchen! Das war noch nicht perfekt, aber das muss es zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht sein.“
Ich stehe auf und Ilona weicht einen Schritt zurück. Dabei sinkt sie wieder auf Hände und Knie. Meinen Kopf schüttelnd sage ich mit sanfter Stimme zu ihr:
„Komm wieder hoch wie eben!“
Sie stellt sich nun wieder auf Hände und Fußballen, bis sie den Druck meiner Hand auf ihrem Hintern spürt.
„Hinten nicht höher als vorne!“ weise ich sie an. „Die Beine also nicht durch-drücken. Wenn es zu anstrengend wird, geh sofort wieder in die SITZ-Position! Du musst nicht andauernd auf den Fußballen stehen! Nur laufen!“
Sie macht, was ich sage, und ich gebe ihr dafür wieder ein Leckerlie. Ilona lächelt mich an. Ich nehme nun den Knotenball und zeige ihn ihr. Dabei sage ich schmunzelnd:
„Ein echter Hund würde jetzt erwartungsvoll hecheln und schwanzwedelnd zu mir aufschauen, dabei fast in SITZ-Position runtergehen. Einen Schwanz hast du nicht, aber auch einigen Hunderassen fehlt er. Ersatzweise käme jetzt hüft-wackeln infrage…“
Sie schaut mich fragend an und probiert die Geste der freudigen Erwartung. Ich meine dazu:
„Okay, so in etwa sähe das aus. – Eine andere Geste, die Spielverbeugung, gebrauchst du, wenn du mich oder andere Hunde zum Mitspielen auffordern möchtest – oder einem fremden Hund signalisieren möchtest ‚Ich bin harmlos! Ich will nur spielen.‘ Dazu beugst du die Ellbogen und kommst so mit den Schultern tiefer als deine Hüften. Wenn du dabei einen zerrenden Schmerz im Oberschenkel oder der Wade spürst, war das für dich jetzt zu tief! Dann wieder etwas höher.“
Nun geht sie mit ihren Schultern bis fast zu meinen Knöcheln hinunter. Ich lasse den Knotenball auf sie zu rollen und meine:
„Machen wir ruhig kurz ein Ballspiel. Bei der ersten Geste, die freudige Erwartung, bist du in der passiven Rolle. Bei der zweiten Geste, der Spielver-beugung, hast du die aktive Rolle inne. Während des Ballspiels, wenn du den Ball führst, richte dich nach deinem Gefühl: Spiel entweder alleine mit dem Ball, trag ihn weg, oder gib ihm einen Schubs in meine Richtung. Lass deine Gefühle deine Handlung bestimmen!“
Unschlüssig schubst sie den Ball zwischen den Vorderpfoten hin und her. Danach beugt sie sich zum Ball hinunter, nimmt ihn mit den Zähnen auf und trägt ihn hinter die Couch. Ich grinse und sage nun:
„Ja! Mehr davon! Mehr eigenständige Handlungen! Du bist doch kein Roboter, der nur auf Kommando reagiert, sondern ein fühlendes Lebewesen.“
Während ich das sage, hat Ilona die Couch umrundet. Sie schaut mich prüfend an und springt, als ich geendet habe auf die Couch. Dabei lässt sie den Knoten-ball ins Sitzpolster fallen. Nun ziehe ich die Augenbrauen hoch, nehme den Ball und sage lächelnd:
„Aber vorsichtig, mein Mädchen! Du bist schließlich ein großer Hund, und die Couch kein Trampolin! Die Couch sollte dabei möglichst nicht kaputtgehen.“
Ich lasse den Ball zu Boden fallen, und gebe ihm einen Tritt, weg von der Couch.
„HOL!“ kommt mein nächstes Kommando. „Hol den Ball.“
Aber Ilona legt sich auf der Couch ab und schaut mich von unten herauf an. Ich rutsche auf eine Ecke der Couch und spreche sie an:
„Ein echter Hund kommuniziert mit seinesgleichen und mit seinen Menschen über Gestik und Mimik. Je nach Situation kann die gleiche Geste eine andere ähnliche Bedeutung haben, wie eben die Spielverbeugung. Aber da gibt es noch mehr.“
Ich mache eine kurze Pause, in der ich sanft durch ihr Haar streichele. Dann rede ich weiter:
„Ein Welpe tritt seiner Mutter sanft gegen den Bauch, und das gerne mehr-mals, um den Milchfluss anzuregen. Diese Geste kennt auch der erwachsene Hund: So habe ich dir zum Beispiel gesagt, wenn du in deiner Rolle einmal zur Toilette musst, drück mit einer Pfote gegen die Tür. Dann weiß ich, dass du da durch möchtest. Wenn wir zum Beispiel eine Ruhepause einlegen, du liegst auf deiner Decke und ich lege mich auf die Couch, und du möchtest weitermachen, suchst Aufmerksamkeit, dann drückst du mit einer Pfote gegen mich, gerne mehrfach! Daraus hat sich übrigens auch das Kommando ‚GIB PFÖTCHEN‘ entwickelt. Bei Letzterem tust du, was gesagt wird. Bei Ersterem übernimmst du wieder die aktive Rolle und forderst mich auf, etwas für dich zu tun.“
Wieder lasse ich ihr Zeit meine Worte sacken zu lassen, bevor ich weiterrede:
„Wenn ein Hund einen Anderen mit den Augen fixiert, gilt das als Provokation. Das darf nur der rangmäßig Höherstehende, das ‚Alphatier‘. Ein Hund will aber nicht provozieren, sondern beschwichtigen. Also Anschauen, klar. Aber nicht fixieren, nicht starr ansehen – und dann noch in die Augen des Alphatieres oder Herrchens!“
Ich fühle, dass Ilona etwas auf der Zunge liegt. Also sage ich:
„Wenn du etwas sagen möchtest, dann heraus damit!“
„Wann beschwichtigt ein Hund eigentlich und womit sonst noch?“



Eine Session (7)
„Nun, dann schauen wir den Film und nachher oder morgen Vormittag sprechen wir darüber. Dabei kannst du gerne so nah liegenbleiben. Aber zuerst räume ich das Geschirr in die Küche und dann schalte ich den DVD-Player ein.“
Gesagt, getan. Ich erhebe mich und Ilona schaut mir aus ihrer Position hinterher.

*

Zurück im Wohnzimmer gehe ich an den Schrank und nehme die DVD „The Pet“ mit der Darstellerin Andrea Edmondson als Gigi heraus. Ich schalte TV und DVD-Player ein und schiebe die DVD in den Schacht. Danach setze ich mich wieder auf die Couch. Ilona schaut zu mir auf. Ich lächele sie an und sage:
„Mach es dir ruhig bequem! Lege vielleicht deinen Kopf auf meinen Oberschenkel, wenn du magst? Der Hund meiner Eltern hat das früher auch oft gemacht…“
Sie legt tatsächlich ihren Kopf seitlich auf meinen Oberschenkel und schaut zum TV. Den Film startend, erkläre ich:
„Die Handlung ist in ein Umfeld eingebettet, das ich ablehne. Es geht da um eine Global Slave Organisation und Organhandel. Aber wenn du nur das Petplay betrachtest, die Spielbeziehung zwischen Owner und Doggie, wird es sogar etwas romantisch. Schau einmal selbst!“
Sie nickt.
Der Film zeigt das angesprochene Umfeld. Dann kommt die Hauptdarstellerin ins Spiel.
„Siehst du, so ähnlich habe ich mir das erste Treffen vorgestellt: Ein Gespräch auf Augenhöhe im öffentlichen Raum…“
Im weiteren Verlauf zeigt der Film ein immer innigeres Verhältnis zwischen Gigi und Paul, ihrem ‚Owner‘. Ich lasse die Bilder sprechen. Als dann der Schluss näherkommt und sich der Kreis zu Global Slave Organisation schließt, muss ich doch wieder dazwischenreden:
„Der Schluss ist sehr unrealistisch! Er wirkt konstruiert. Dass jemand mit seiner Eigentumsmarke derart spielt, sie dabei verliert und nicht bemerkt, dass er nichts mehr zwischen den Fingern hat, ist für mich unvorstellbar…“
Als dann der Abspann läuft, schalte ich die Geräte über die Fernbedienung aus und bemerke dabei, dass Ilona mich anschaut. Ich nicke und frage sie:
„Hast du Gesprächsbedarf? Dann darfst du natürlich reden!“
„Du würdest mich auch branden, in einen Käfig sperren, weitergeben oder sogar verkaufen?“ fragt sie.
Ich schüttele den Kopf und lächele sie an.
„Nein, Ilona. Ich sagte ja, das Umfeld in dem die Handlung spielt, ist total unrealistisch. Das ist nur dem Geschäftssinn der Filmemacher geschuldet. Ein bisschen Grusel lässt die Leute ins Kino gehen… Blende das ruhig aus und betrachte nur das Petplay dazwischen. Darin erschließt sich einiges zwar auch wieder nur, wenn man an 24/7 denkt, nicht jedoch, wenn es sich nur um Sessions dreht.“
„Würdest du mich auch branden und in einen Käfig stecken?“ fragt sie jetzt.
Wieder schüttele ich den Kopf und antworte:
„Wenn du in einem Käfig am Besten entspannen kannst, keine Platzangst bekommst, könnte man darüber nachdenken. Ich kenne das nicht, dass ein Hund hinter Gittern gesteckt wird. Alle echten Hunde, die ich kennengelernt habe, durften sich frei bewegen!
Das Branden kommt für mich gar nicht in Frage! Allenfalls kann man über ein oder zwei Tattoos nachdenken. Beides sind für mich aber Überlegungen bei 24/7, nicht bei kurzen Sessions.“
„Gigi ist auf Händen und Knien gekrabbelt, aber auch oft auf zwei Beinen gelaufen!“ stellt sie fest.
„Zwei Gründe,“ beginne ich: „Der Film heißt ‚The Pet – Die Sklavin‘. Sie ist also eher ein Petslave als ein Pet. Eine Verbindung zum SM ist hier und da im Film offensichtlich. Zweitens: Auf Händen und Knien kannst du im Zimmer apportieren. Wenn wir das aber einmal draußen spielen, wärst du so zu langsam. Deshalb dann auf zwei Beinen.
Möglicherweise reißt dich das aber aus dem ‚Petspace‘. Da gibt es aber noch etwas anderes, womit du schneller bist!“
„Ja?“ Sie schaut mich fragend an und stemmt sich mit den Armen hoch.
Ich nehme mein Handy und zeige ihr ein paar Videosequenzen.
„Schau, da gibt es in Fernost und den USA ein Workout-Programm, das sich ‚Bear-Crawl‘ nennt. Dazu musst du die Knie vom Boden abheben.“
Ilona schaut sich an, was ich ihr zeige und meint dazu nur: „Hm…“
„Es dürfte ungewohnt sein,“ relativiere ich, „aber nichts klappt gleich von Anfang an! Probiere es halt mal und geh auf Hände und Knie zurück, um deine Beinmuskulatur auszuruhen, wenn es zu anstrengend wird. Es hat jedenfalls den Vorteil, dass du im ‚Petspace‘ bleibst.“
Sie nickt und meint nun:
„Ich muss mal…“
Ich zucke mit den Schultern und antworte:
„Dann geh erst einmal zur Toilette!“

*

Wenig später kommt sie wieder zurück ins Wohnzimmer. Ich höre, wie Ilona im Flur wieder auf alle Viere geht, nachdem sie die Badtür hinter sich geschlossen hat. Sie kommt auf Händen und Zehenballen zu mir, wie sie das vorhin in den Videosequenzen auf meinem Handy gesehen hat.



Sonntag, 22. Dezember 2019
Eine Session (6)
„Fast richtig gemacht,“ kommentiere ich ihre Aktion. „Bist ein gutes Mädchen! Diese Aktion soll das Kommando ‚ROLL!‘ trainieren. Statt einem Halbkreis hast du es jetzt erst einmal zu einem Viertelkreis geschafft.“
Diesmal bleibt das Leckerlie aus.
Nach mehrmaligem Üben hat sie es endlich raus und erhält schließlich doch noch ihr Leckerlie.
Nun gehe ich zum Couchtisch und nehme den Kunststoffknochen auf, um ihn gleich darauf in eine Ecke des Raumes zu werfen. Dabei sage ich „HOL!“
In Ilonas Augen blitzt es kurz auf. Sie läuft zum Knochen, beugt sich hinunter und nimmt ihn mit dem Mund auf. Langsam schleicht sie näher und hält mir den Knochen hin. Ich halte die Hand unter den Knochen, sage „AB!“ und zeige ihr wieder ein Gummibärchen.
Statt mir den Knochen in die Hand fallen zu lassen, schüttelt sie den Kopf. Lachfältchen bilden sich in den Augenwinkeln. Sie macht einen Schritt rückwärts. Meine Hand schnellt vor und greift den Knochen an einem Ende.
Ilona produziert ein knurrendes Geräusch und macht noch einen halben Schritt weiter zurück. Ich lasse jedoch nicht los, und so entwickelt sich ein kleiner Wettkampf im Zerren. Nach etwa einer Minute überlasse ich ihr den Knochen und äußere mich breit grinsend:
„Du hast nicht losgelassen, nur etwas geknurrt. Das Knurren bedeutet in dieser Situation ‚MEINS!‘ Das folgende Zerren ist ein beliebtes Spiel bei Hunden. Manchmal sieht man sie dabei auch grinsen. Dass du damit einmal die Initiative an dich gerissen und getan hast, was dir in den Sinn kam, war genau richtig, mein Mädchen! So etwas mach gerne öfter! Denn ein Hund ist ein fühlendes Lebewesen und kein Roboter, der nur auf Kommandos reagiert.“
Ich schaue auf die Uhr und meine dann:
„Ich habe jetzt Hunger. Ich mache mir einen Cappu und esse dazu etwas Gebäck. Möchtest du auch Cappu, Tee oder Wasser?“
Ilona schaut zu mir auf und meint nur „Wuff!“
‚Hm,‘ denke ich und frage sie: „Wasser?“
„Wuff!“
„Okay, dann auch darin wie ein Hund! Aber ich fülle dir das Wasser in eine Trinkflasche, die ich dir zum Trinken hinhalte. Ein Schokocroissant schneide ich dir in mundgerechte Stücke und lege sie dir in eine Schale.“
Jetzt bin ich erst einmal zehn Minuten mit den Vorbereitungen beschäftigt. Schließlich bringe ich eine Thermosflasche mit Cappu und eine Trinkflasche mit Mundstück, wie sie Radrennfahrer benutzen, gefüllt mit Wasser an den Couchtisch. Danach bringe ich eine Schale mit ihrem vorbereiteten Schokocroissant und einen Teller mit Gebäck zum Couchtisch. Ihre Schale stelle ich neben die Couch, setze mich und schütte mir eine Tasse voll Cappuccino.
Nun beginne ich meine Nachmittagskaffeetafel. Zwischendurch schaue ich immer einmal nach Ilona. Zuerst beäugt sie misstrauisch ihr kleingeschnittenes Schokocroissant. Danach beugt sie die Ellbogen, um die Stücke mit dem Mund zu erreichen. Nach den ersten zwei Bissen hat sie es raus und es scheint ihr Spaß zu machen. Sie ist fast fertig, als sie zu mir aufschaut und zu fiepen beginnt. Dann folgt ein „Wau!“, worauf sie wieder fiept. Ich greife nach ihrer Flasche und schon lächelt meine Doggie. Also öffne ich die Flasche und lasse sie trinken. Danach isst sie den Rest ihrer Mahlzeit auf.
So ist Ilona früher als ich fertig. Um in Ruhe weiter essen zu können, will ich sie noch etwas mit ihrem Spielzeug beschäftigen und greife nach dem neu gekauften Knotenball. Sie erhebt sich auf alle Viere und krabbelt rund um den Couchtisch. Bevor ich ihr den Knotenball zum Spielen anbieten kann, ist sie mit einem Hüpfer neben mir auf der Couch und legt sich ab. Dabei beobachtet sie mich aufmerksam, so als frage sie sich:
‚Wie reagiert er jetzt wohl darauf?‘
Ich schaue sie lächelnd an und sage, während ich den letzten Cappu trinke:
„Das Springen auf die Couch ist ein zweischneidiges Schwert! Viele Owner, aber auch Herrchen echter Hunde, mögen das nicht! Ich schlage einen Kompromiss vor: Bei mir ist es erlaubt, bei Fremden nicht! Eigentlich solltest du auch hier vor der Couch warten, bis ich ‚HOPP!‘ sage. Wenn dein spontanes Gefühl dir sagt, dich neben mich zu legen, um Streicheleinheiten zu erlangen, ist das auch okay.
Was passiert jetzt? Ein anderes Herrchen würde dich schimpfend wieder herunterschicken, aber du hattest inzwischen die Genugtuung, es geschafft und mich in einem unaufmerksamen Moment ausgetrickst zu haben. Dafür gibt es nun natürlich kein Leckerlie oder Lob! Aber warum sollte ich es auf eine Kraftprobe ankommen lassen, oder dich gar schlagen? Das würde ein vernünftiges Herrchen auch mit seinem echten Hund nicht machen.“
Nach einer kurzen Pause frage ich sie:
„Ist es das, was du erreichen wolltest? Meine Reaktion testen? Oder wolltest du kuscheln kommen? Hunde genießen auch einmal die Nähe zu ihren Herrchen, wollen gestreichelt werden…“
Ilona nickt.
„Okay,“ sage ich, und frage: „Kennst du den Film ‚The Pet‘?“
Jetzt schüttelt sie den Kopf und schaut mich an.



Eine Session (5)
„Gleich spielen!“ entscheidet sie.
„Gut,“ meine ich. „Dann geh erst einmal auf alle Viere.“
Sie lässt sich auf alle Viere herunter und schaut zu mir auf.
„Versetze dich jetzt einmal in einen Hund,“ baue ich ein Szenario auf. „Tiere sind emotionale Geschöpfe. Sie handeln nicht aus rationalen Überlegungen heraus, sondern tun spontan, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Sie sind außerdem sehr neugierig und aus der Vierfüßler-Perspektive sieht für dich vieles anders aus.
Denk dir einmal folgendes: Ich habe dich aus dem Tierheim zu mir nachhause geholt. Die Umgebung hier ist dir völlig neu. Also läufst du neugierig schnuppernd durch die Wohnung und schaust dich um. Wenn dir das zu langweilig wird, kommst du zu mir und verlangst Aufmerksamkeit…“
Ilona nickt und schaut sich auf allen Vieren um. Sie geht an der Möblierung entlang und schaut in die Lücken, zwischendurch immer wieder ein Schulter-blick zu mir. Dann hat sie die Küchentür erreicht und entfernt sich damit aus meinem Blickfeld. In der Zwischenzeit habe ich mich auf die Couch gesetzt und den Inhalt der Einkaufstüte auf dem Couchtisch ausgebreitet.
Von einer gewissen Unruhe getrieben stehe ich aber wieder auf, um zu schauen, was sie in der Küche treibt. Aber da kommt sie mir schon entgegen. Ich mache ihr Platz im Durchgang und folge ihr zur Couch zurück.
„Die Dinge sehen aus dieser Perspektive ganz anders aus?“ frage ich.
Sie nickt und meint: „Wuff!“
Ich nehme ihr Halsband vom Couchtisch und sage: „BEI FUSS!“
Ilona nähert sich mir und lässt sich ihr Halsband anlegen. Es dauert etwas, bis ich die Größe angepasst habe und es locker sitzt. Da fällt mir etwas ein.
„Ach!“ sage ich und gehe zurück in die Küche.
Dort nehme ich eine Tüte Gummibärchen aus dem Schrank und schaue mich um. Natürlich! Sie ist mir neugierig gefolgt. Ich nehme also ein Gummibärchen aus der Tüte und drücke es ihr zwischen die Lippen.
„Gutes Mädchen!“ sage ich dazu. „Das Kommando eben kanntest du schon oder du hast es intuitiv richtig gemacht!“
Ich fahre ihr sanft durchs Haar und rede weiter:
„Das meinte ich in den Gesprächen immer mit ‚positiver Verstärkung‘, Motivation durch Lob und Belohnung. Möchtest du jetzt mehr Kommandotraining machen?“
Wieder bekomme ich ein „Wuff!“ zur Antwort.
Ich lächele und sage:
„Eins noch vorweg: Wenn du zwischendurch zur Toilette musst, dann geh zur Flurtüre und drücke mit einer Vorderpfote dagegen! Ich lasse dich dann hinaus und du gehst wie ein Mensch ins Bad. Nachher gehst du im Flur wieder auf alle Viere… Die Pause in der Session muss sein!“
Sie bestätigt wieder mit einem „Wuff!“
Nun nehme ich ein neues Gummibärchen aus der der Tüte, zeige es ihr stumm und führe es mit der Hand über ihren Kopf in Richtung ihres Rückens. Sie folgt meiner Hand mit den Augen und setzt sich dabei unwillkürlich auf ihre Fersen. Sofort sage ich „SITZ!“ und gebe ihr das Gummibärchen. Dabei erkläre ich:
„Siehst du! So funktioniert ‚positive Verstärkung‘ beim Kommandotraining: Ein Hund versteht nicht, was ich sage. Er bekommt nur die Gefühle mit, die in den Tonfolgen mitschwingen. Wiederkehrende Laute in Verbindung mit einem Leckerlie merkt er sich aber so, dass die Kommandos bald auch ohne Leckerlie funktionieren. Natürlich darf das Lob nie ausbleiben…
Apropos Gefühle: Tiere sind Gefühlsmenschen, sagte ich ja bereits. Also lass ruhig deine Gefühle heraus in deiner Rolle als Hund! Alles was gerade in dir hochkommt! Das Ausleben deiner Gefühle, die du ja im rationalen Alltag meist unterdrückst, fördert die Entspannung, von der so viele Petplayer nach einer Session sprechen.“
Während meiner letzten Worte habe ich ein neues Leckerlie aus der Tüte genommen, zeige es ihr jetzt und führe es vor ihr in Richtung Boden. Wieder folgt sie meiner Hand mit dem Mund und beugt dafür ihre Ellbogen. Ich drücke mit der anderen Hand auf ihren Allerwertesten, damit sie gleichzeitig hinten tiefer geht. Nachdem sie mit gebeugten Ellbogen und Knien auf dem Boden hockt, sage ich „PLATZ!“ und gebe ihr das Gummibärchen.
„Siehst du, so geht das,“ erkläre ich. „Jetzt vielleicht etwas Schwierigeres: Schau genau hin, was meine Hand macht!“
Mit einem neuen Leckerlie in der Hand, beschreibe ich mehrmals mit ihr einen Halbkreis in der Luft. Sie schaut mir eine Weile zu, dann sieht sie mich fragend an.
Ich berühre mit dem Leckerlie ihre Wange sanft. Dann halte ich es etwas weg und beschreibe den Halbkreis in der Luft nun in Zeitlupe. Ilona lässt sich auf die Seite falle und schaut zu mir auf.



Freitag, 20. Dezember 2019
Eine Session (4)
Ich trinke aus und nicke ihr zu:
„Wir müssen los!“
Wir gehen zum Bussteig auf dem Vorplatz des Bahnhofs, wo in diesem Moment gerade der Bus vorfährt. Ich zahle die beiden Passagen zum Stadtrand und kurz darauf geht es los.
Unterwegs frage ich Ilona:
„Ist es eigentlich das Petplay, das du dir vorgestellt hast? Du warst all die Zeit in dieser Richtung ziemlich wortkarg…“
Sie wendet den Kopf und schaut mich an:
„Peter, ich habe seit vier Jahren Erfahrungen in SM gemacht. Immer fühlte ich mich danach ziemlich leer.
Natürlich lag das an den Kerlen, die behaupten dominant zu sein.
Dann hörte ich vom Petplay, aber aus der SM-Ecke heraus: Nackt-Pet, Käfig, als Demütigung auf allen Vieren krabbeln und aus dem Napf essen.
Du hast mir ein anderes Petplay vorgestellt. Ich habe mich informiert. Ja, es gibt eine ganze Menge Leute, die Petplay asexuell spielen. Meine erste Idee dazu: Was bringt denen das denn? Dann habe ich verschiedene Leute ange-schrieben. Sie berichteten alle das Gleiche: Es bringt Spaß und nachher bist du total entspannt. Das möchte ich erleben. Verstehst du?“
Ich lächele froh und bestätige ihr:
„Das Gefühl kann ich dir vermitteln!“
Kurz darauf erreicht der Bus die Haltestelle, an der wir aussteigen. Ilona schaut mich fragend an:
„Was passiert jetzt?“
„Ein Anfänger-Equipment findest du in jedem Tierzubehör-Geschäft. Es ist natürlich nichts Besonderes, aber es reicht um in den Petspace zu kommen, wie man dazu sagt,“ erkläre ich ihr. „Komm, wir gehen als Erstes zum Raiffeisen. Auf dem Weg dahin holen wir deinen Zimmerschlüssel. Danach gehen wir zu mir nachhause, oder magst du in irgendeinem Restaurant etwas essen?“
Sie schaut mich milde lächelnd an und meint:
„Du bist sehr fürsorglich! Ich bekomme heute Abend von dir etwas in den Napf…“
Zurücklächelnd antworte ich:
„Ich bin, was ich bin, Ilona. Ein fürsorglicher Owner, der sich um das Wohl seiner Doggie kümmert. – Okay, dann los!“
Wir gehen zwischen zwei Supermärkten hindurch zu der Parallelstraße und haben bald die Gaststätte erreicht. Dort übernehme ich den Zimmerschlüssel mit einem schweren Anhänger und gebe ihn gleich an Ilona weiter. Die Kellnerin erklärt ihr, welcher der beiden Schlüssel am Ring für die Haustür und welcher für die Zimmertür ist.
Anschließend folgen wir dem Straßenverlauf und erreichen Raiffeisen. Drinnen führe ich Ilona an das Regal mit den Halsbändern und frage sie, welche Farbe ihr gefällt und ob es Leder sein muss oder erst etwas textilenes sein darf.
Sie schaut sich mehrere an und nimmt schließlich ein verstellbares aus rotem Textil. Nun schaut sie mich an und fragt:
„Steht mir das? Und… Brauchst du keine Leine?“
„Alles, was dir gefällt, steht dir, Ilona,“ versuche ich, ihr zu schmeicheln, denn ich fühle mich erleichtert. „Wenn du meinst, wir sollten heute schon die Leinenführigkeit proben, nehme ich auch eine dazu passende Leine. Aber wenn du dir aus dem Internet ein schöneres Lederhalsband oder gar ein Geschirr bestellen möchtest, können wir auch die dazu passende Leine später aus-suchen.“
„Warum ein Geschirr?“ fragt sie mich.
„Nun,“ sage ich. „Solltest du ziehen, gibt das bei einem Halsband blaue Flecken am Hals. Bei einem Geschirr klickt man die Leine in einen Ring zwischen den Schulterblättern. Da dient das Halsband mit einem Namensschildchen nur als Schmuck. Da gibt es sogar welche aus Edelstahl, die du ständig tragen kannst, weil sie wie Halsschmuck aussehen…“
„Oh,“ macht Ilona, und fragt:
„Was brauchen wir noch?“
„Etwas Hundespielzeug,“ antworte ich und gehe zum benachbarten Regal. „Schau hier den Knotenball, den Kunststoffknochen, und – magst du ein Kuscheltier?“
„Ist das nicht zu kitschig?“ kommt von ihr zurück.
„Na gut, dann kein Kuscheltier,“ antworte ich mit breitem Grinsen.
Wir gehen nun zur Kasse und verlassen danach den Laden.
Fünf Minuten später öffne ich meine Wohnungstür und lasse Ilona hinein. Hinter ihr schließe ich die Tür und hänge meine Jacke an den Garderoben-haken. Ihre Jacke findet daneben ihren Platz. Anschließend zeige ich ihr das Bad und gehen ins Wohnzimmer.
„Und jetzt?“ fragt sie.
Ich lächele sie an und frage zurück:
„Wonach steht dir der Sinn? Hast du noch Fragen auf der Zunge oder möchtest du gleich spielen?“