Freitag, 11. September 2020
Yamato Meinu - 14
Nach drei Monaten erzählt Joe mir, dass es außerhalb Edmontons eine Hundeschule gibt, die auch Doggies trainiert. Allerdings wären die Stundensätze, die dort verlangt werden ‚Jenseits von Gut und Böse‘. Normalverdiener könnten es sich nicht leisten, sich als Doggie dort trainieren zu lassen. Damit hat er mich zuerst neugierig gemacht und mir dann einen Dämpfer verpasst.
Enttäuscht frage ich ihn also:
„Warum erzählst du mir dann davon?“
„Sie haben einen Petclub aufgemacht,“ erklärt er mir nun. „Dort kann man hingehen, wie andere Leute einen Club besuchen, um nach der Arbeit ihren Spaß zu haben.“
„Ah,“ erwidere ich. „Dann lass uns doch einmal dahinfahren und uns anschauen, was dort geboten wird!“
Gesagt, getan. Fünf Tage darauf fahren wir auf den Parkplatz und gehen auf das Gebäude zu. Als wir den Eingangsbereich betreten, werden wir von einer jungen Japanerin hinter einem Tresen angesprochen. Wir geben unsere Jacken ab und erhalten Marken mit Nummern dafür. Dann zeigt sie geradeaus auf einen weiteren Raum.
Als wir diesen Raum betreten, steht schon wieder eine Japanerin bereit, um uns einen leeren Tisch zuzuweisen. Dezente Musik erfüllt den Raum. Wir setzen uns mit Blick auf eine Bühne. Joe nimmt als Erstes die Speisekarte in die Hand und zeigt sie mir bald:
„Hey, schau mal! Sie haben auch Poke hier.“
Ich schaue hinein und sehe einige typisch japanische Gerichte. Dann lese ich tatsächlich Poke. Es ist eine Art Salat in verschiedenen Varianten. Basis ist roher Lachs oder Thunfisch. Alle Varianten sind sehr lecker. Heute entscheide ich mich für eine Thunfisch-Variante. Joe wählt eine Lachs-Variante und gibt die Bestellung an die Japanerin weiter, die uns schon am Eingang des Raumes so höflich mit einer Verbeugung begrüßt hat. Kurz darauf steht die Bestellung vor uns, aber unser Blick geht nun zur Bühne.
Dort ist eine dunkelhaarige Kanadierin erschienen mit einem Mikrofon in der Hand.
„Guten Abend und einen guten Appetit!“ beginnt sie ihre Ansprache. „Mein Name ist Ariella St.Albert und bin die Chefin des Hauses. Ich nehme an, dass sich heute nur Petplayer hier befinden – und vielleicht solche, die es werden wollen. Uns eint das gleiche Faible. Wie Sie wissen, machen wir Motto-Abende, um nicht immer wieder das gleiche vorzuführen. Unser heutiges Motto sind die Gefühlsäußerungen der Doggies.“
Eine Doggie nähert sich ihr in diesem Moment von der Seite. Sie hat lange schwarze Haare, die zu einem Bauernzopf geflochten auf ihrem Rücken liegen, und ist in einen zweifarbigen hautengen Overall gekleidet. Die Bauchseite des Overalls ist hellbraun und der Rest in dunkelbraun gehalten. Auf dem Kopf trägt sie eine Halbmaske, die von einem Kinnriemen gehalten wird. Ein Geschirr aus schwarzem Material vervollständigt ihr Outfit.
Frau St.Albert dreht sich nun zu der Doggie um. Im gleichen Moment zuckt die Doggie zurück, beugt sich weg und linst Frau St.Albert vorsichtig von der Seite an. Die Sprecherin auf der Bühne hat eine kleine Tasche an ihrem Gürtel befestigt. Daraus angelt sie jetzt mit zwei Fingern eine Süßigkeit und zeigt sie der Doggie.
Dazu sagt sie:
„Darf ich Ihnen Moe -Knospe, Sproß- vorstellen? Sie ist sehr vorsichtig und zurückhaltend. Wir beginnen damit, ihr Vertrauen zu gewinnen, indem wir ihr ein Leckerlie anbieten.“
Moe kommt wie in Zeitlupe auf die Chefin zu und macht einen langen Hals, um das Leckerlie zu erhaschen. Anschließend geht sie wieder auf Abstand. Frau St.Albert nimmt ein zweites Leckerlie, hält es ihr hin und hält Moe gleichzeitig die andere Hand hin. Moe kommt näher und will das Leckerlie mit den Lippen aufnehmen. Frau St.Albert zieht die Hand mit dem Leckerlie zurück. Moe macht eine kurze Gedankenpause, dann legt sie ihre behandschuhte Vorderpfote in die leere Hand der Chefin. Sofort erhält Moe ihr Leckerlie und Frau St.Albert erklärt:
„Moe hat ihre Bedenken überwunden und ‚Pfötchen‘ gegeben. Mit dieser Bewegung regen Welpen bei der Fähe den Milchfluss an. Bei Erwachsenen ist das immer noch eine Geste des Vertrauens, der Zuneigung, genau wie das Ablecken. Auch das ist eine Geste aus dem Welpenstadium, mit der die Fähe dazu veranlasst wird, vorverdaute Nahrung hervorzuwürgen.“
In der Zwischenzeit hat Moe ihr Leckerlie gegessen und streckt nun den Hals, um Frau St.Albert an der Hand zu lecken. Sie streicht der Doggie sanft über den Kopf.
„Oh!“ meint die Chefin in gespieltem Erstaunen und guckt in ihre weitgeöffnete Gürteltasche. „Da muss ich euch ein paar Sekunden allein lassen und schnell mehr Süßigkeiten holen.“
Spricht es und geht aus dem Blickfeld der Zuschauer. Moe kauert sich hin und schaut Frau St.Albert mit traurigen Augen hinterher. Dabei fipst sie in hellen leisen Tönen.
Kurz darauf ist die Chefin wieder auf der Bühne, schaut in Richtung der Zuschauer und öffnet den Mund, als möchte sie etwas sagen. Aber dann dreht sie sich zu Moe um, die vor Freude aufgesprungen ist, sich streckt, gähnt, aufgeregt mit der Hüfte wackelt und nach rechts und links rollt. Dabei bellt sie immer wieder japsend. Man kann ihr die Freude richtig ansehen.
Frau St.Albert lächelt und erklärt den Zuschauern nun die Gefühlsäußerungen der Trauer und Freude. Sie gibt Moe eine weitere Süßigkeit und erklärt, dass ihre Doggies sich in ihrer Rolle am Verhalten echter Hunde orientieren und ihre Gefühle spontan ausleben, sobald sie in ihnen aufsteigen. Dabei nutzen sie die Gestik und Mimik echter Hunde, deren nonverbale Kommunikation.
Nach einiger Zeit fragt Frau St.Albert, ob unter den Zuschauern Doggies sind, die es sich trauen auf der Bühne zu zeigen, was sie gesehen haben und vielleicht mit Moe in Interaktion treten wollen. Mehrere Personen aus dem Publikum melden sich. Die Chefin holt einzelne Personen nach vorn und lässt sie in ihrer Zivilkleidung agieren.
Darüber vergeht der Abend. Als wir nachhause fahren, weiß ich nicht, wo die Zeit geblieben ist. Auch Joe meint, dass es ein gelungener Abend gewesen ist. Leider gibt es diese Veranstaltung nur von Frühjahr bis Herbst, da die Wintermonate hier mit viel Schnee verbunden sind.

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Donnerstag, 10. September 2020
Yamato Meinu - 13
Er hat mir über den Messenger der Seite mit einem ziemlich langen Text geantwortet:
„Petplayer, die vom SM herkommen, schicken ihren Dogslave zur Demütigung auf alle Viere und lassen ihn/sie aus einem Napf (fr)essen. Das bringt beiden einen gewissen Kick. Meiner Meinung nach hat deren Spiel wenig von der Beziehung eines Menschen zu seinem echten Hund…
Dann gibt es Petplayer, die zum Spaß/zur Entspannung vom Alltag miteinander spielen. Sie interessiert dabei auch nicht, ob ein echter Hund sich so oder so verhalten würde. Hauptsache, sie haben Spaß miteinander und entspannen dabei.
Schließlich gibt es noch Petplayer, die sich im Spiel am Verhalten eines echten Tieres orientieren. Sie wollen sich möglichst nahe am Verhalten, zum Beispiel eines Hundes, orientieren. Dafür kommunizieren sie untereinander und mit ihren Ownern über die Gestik und Mimik echter Hunde.
Diese nonverbale Kommunikation würde ich dir beibringen. Dazu kommt noch das Kommandotraining. Hierfür nutze ich die ‚positive Verstärkung‘, also die Motivation über Lob und Belohnung, wie heute in allen Hundeschulen üblich. Also nicht die ‚englische Erziehung‘ mit der Gerte und anderem…
Das Training unterbreche ich immer wieder mit Hundespielen, also Ball-, Zerr- und Apportierspielen. Dogplay soll schließlich Spaß machen. Lachen ist zwischendurch ausdrücklich erlaubt!
Wie auch das Äußern anderer Gefühle, ja, der ganzen Gefühlspalette mit der Zeit erwünscht ist. ‚Tiere sind Gefühlsmenschen‘, sagt man. Sie überlegen nicht rational, sondern handeln spontan emotional, aus dem Augenblick, aus dem Gefühl heraus!
Ach ja, oft werde ich auch nach dem Outfit beim Spiel gefragt. Da Petplay für sich genommen asexuell ist, kannst du während einer Session gerne etwas Leichtes tragen, wie Tshirt und Leggins.
Da gibt es auch Petplayer, die verlangen ein Outfit aus Gummi oder Leder und eine Maske. Masken mag ich nicht! Denn dann sieht man deine Mimik nicht mehr, nach der ich mich orientiere. Lack/Leder/Latex ist eine Fetischangelegenheit. Nach einer Session schwimmst du darin in deinem Schweiß! Dann lieber für Outdoor einen Lycra-Overall.“
Nachdem ich das alles durchgelesen und darüber nachgedacht habe, habe ich ihm zurückgeschrieben:
„Vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Nun bin ich etwas verunsichert. Bisher bin ich von den Doms gezwungen worden, nackt auf allen Vieren aus einem Napf zu fressen. Ich weiß gar nicht, ob das bei mir auch anders funktioniert.“
„Ich übe keinen Zwang aus!“ hat mir Joe darauf geantwortet. „Was du nicht magst, geht erst einmal nicht! So einfach ist das.“
Er hat mich im weiteren Gespräch nach meinen absoluten NoGos gefragt und nach meinen Wünschen und Sehnsüchten. Nachdem wir etwa eine Woche miteinander getextet haben, wollen wir uns schließlich treffen. Dazu hat er das DISTRICT CAFE AND BAKERY in der 109. Straße / Ecke 100. Avenue vorgeschlagen. Ich kenne das Café und bin zum verabredeten Termin dort gewesen. Wir haben uns vorher unsere Portraitfotos gegenseitig geschickt und so erkenne ich ihn, als er sich von einem freien Tisch erhebt und mir entgegenlächelt, während ich das Café betrete.
Joe ist mir sogleich sympathisch. Er fragt mich, was ich mag und ich entscheide mich für den Green Onion Cake. Der Marshmellow-Cake ist mir doch zu süß. Joe gibt die Bestellung an die Bedienung weiter. Anschließend haben wir uns über alles Mögliche unterhalten. Auf dem Weg zu meinem Auto hat er dann gesagt:
„Schau mich an!“
Er hat sich mir gegenübergestellt, so dass wir uns gegenseitig in die Augen geschaut haben. Danach hat er gesagt:
„Und jetzt geh‘ in die Hocke, als suchst du etwas auf dem Boden, das dir aus der Hand gefallen ist!“
Joe hat sich mir gegenüber hingehockt, so dass der Augenkontakt auf Augenhöhe nicht verloren gegangen ist. Die wenigen Passanten habe ich dabei gedanklich ausgeblendet. Joe sagt nun:
„Und nun stell‘ deine Hände zwischen den Knien auf den Boden!“
Für einen Moment mache ich, was Joe sagt. Dann meint er:
„Und nun komm wieder hoch! In den Augen der Passanten hast du gefunden, was du auf dem Boden gesucht hast. In deinem Kopf bist du aber für einen Moment ohne Zwangsmaßnahmen auf allen Vieren gewesen… Wie war das für dich gefühlsmäßig?“
Ich habe mich bei ihm eingehakt und zu ihm aufgeschaut.
„Mir ist das Herz in die Hose gerutscht! Muss ich das immer im Beisein anderer Leute machen?“ frage ich.
Joe hat lächelnd den Kopf geschüttelt.
„Nur in meinem Beisein, sonst könnten wir ja keine gemeinsame Session haben. Allenfalls sind manchmal andere Petplayer dabei.“
„Andere?“ frage ich erschreckt. „Kommt es dann zum Partnertausch?“
Ich habe einen halben Schritt Abstand zu ihm genommen.
Joe schüttelt den Kopf. Er erklärt:
„Petplay ist für sich genommen asexuell! Wenn wir mit der Zeit Vertrauen und Zuneigung zueinander entwickeln, kann eine sexuelle Komponente hinzukommen, aber wann das sein wird entscheidest du! Auf jeden Fall gibt es nie einen sexuellen Kontakt zu fremden Personen! Mit ‚Andere‘ meinte ich andere Petplayer, die wir ab und zu zum gemeinsamen Spiel treffen. Aber auch das erst, wenn du dich bereit dafür fühlst!“
Joe ist immer einfühlsam vorgegangen, seit wir uns zum gemeinsamen Spiel in Sessions treffen. Der größte Unterschied für mich ist dabei gewesen, dass ich nicht wie bei den Doms vor ihm auf Händen und Knien kriechen soll. Sondern er hat eine Gangart gewählt, die man hier allgemein Bear Crawl nennt und Teil des normalen Work Out Programms ist.

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Mittwoch, 9. September 2020
Yamato Meinu - 12
Uns geht es hier um das ‚Dabeisein‘, nicht um den Wettkampf.
Nebenbei lasse ich sie auch Dog-Dancing trainieren. Als Vorlage haben wir einige Youtube-Videos. Hier sind die Meinus nun auch geistig gefordert, denn sie müssen auf den Hundeführer oder Ariella und deren Handzeichen achten. Hierbei möchten wir natürlich alle die vorderen Plätze belegen - nicht sofort, aber mit der Zeit.
Auch lasse ich mehrere Meinus vor kleine leichte Wagen spannen, damit sie das gemeinsame Ziehen auf allen Vieren lernen. Es dauert allerdings Monate bis ich mich traue, einen den Eskimoschlitten nachempfundenen dreirädrigen Wagen aus Kohlefaser anzuschaffen und mit allen neun Meinus zu trainieren.
Ariella führt als Alphatier das Rudel der Meinus an. Sie läuft an der Spitze und die acht Anderen laufen rechts und links des Zugseils vor dem Wagen her, auf dem hinten der Wagenlenker steht und sich an einem Bügel festhält.
Als wir das Gespann bei einem der Events außer Konkurrenz vorführen, erreichen wir eine hohe Aufmerksamkeit und viele Petplayer wollen mehr darüber erfahren. So haben wir dort eine große Diskussionsrunde geschaffen. Wir werden speziell für die Vorführung eines ‚Schlittenhunderennens‘ nacheinander auch von den anderen kanadischen Petplay-Events eingeladen.
Dennoch bleiben wir ohne Konkurrenz, denn es ist schwierig, so viele Meinus zu koordinieren. Damit sie gleichmäßig ziehen, müssen sie sich ebenso untereinander kontrollieren und ihre Geschwindigkeit einander anpassen.


Der Petclub
Wir werden des Öfteren darauf angesprochen und machen dann natürlich Werbung für unsere Hundeschule. Die Leute äußern sich anerkennend und fragen, ob wir uns nicht auch einmal um deren Doggie kümmern können. Als sie dann erfahren, dass wir das nur kommerziell machen und wie hoch unser Stundensatz ist, nehmen fast alle Interessenten wieder Abstand von der Idee.
Nach Wochen habe ich den Einfall, die Leute nach Edmonton zu einer Städtetour einzuladen. Sie buchen in einem Reisebüro und schauen sich Museen und andere Sehenswürdigkeiten an, die Edmonton zu bieten hat. Abends können sie zu uns kommen. Wir bieten ihnen den Besuch eines ‚Petclubs‘ an.
Eine andere Möglichkeit ist die individuelle Anreise und das Buchen eines Zimmers im HI-Edmonton. Hierbei handelt es sich um ein modernes Hostel mit Einzel- und Mehrbettzimmern. Sechsspurig ausgebaute Straßen verhindern sogar in der Rush-Hour Staus, aber für Fußgänger ist die Stadt eine Tortur. Ein öffentlicher Personen-Nahverkehr ist so gut wie nicht vorhanden. Nur das 13 Kilometer lange Pedway-System verbindet zahlreiche öffentliche Gebäude durch Tunnel und geschlossene Fußgängerbrücken miteinander. Was den Interessenten sonst noch bleibt, ist am Flughafen einen Mietwagen zu nehmen.
Wir bieten an, dass die Leute sich bei uns melden, und mit uns als Fremdenführer die Sehenswürdigkeiten von Edmonton zu besuchen. Die Tage schließen damit ab, dass sie in unserer Bar essen können und auf einer kleinen Bühne Vorführungen erleben dürfen.
Diese Möglichkeit, obwohl auch nicht so preiswert, scheint mehr Leuten zu gefallen. So ist unsere Bar schon am ersten Termin zur Hälfte gefüllt. Bei asiatischen Speisen, zu denen wir Messer und Gabel reichen, und dezenten asiatischen Klängen im Hintergrund, lasse ich einzelne Meinu im Overall auftreten. Ich führe die Meinu durch das komplette Sortiment der Hunde-Kommandos.
Anschließend frage ich die Besucher, die bei diesen Veranstaltungen allesamt Petplayer sind, ob sich einer der männlichen oder eine weibliche Doggie zutraut, auf die Bühne zu kommen. Einzelne Doggies trauen sich und schauen sich das Ausführen der Kommandos bei der Meinu ab, die mit ihm oder ihr auf der Bühne steht. Natürlich gibt es dabei einige Unsicherheiten, die allgemeines Lachen provozieren. Aber nie wird jemand ausgelacht.
Zum Schluss der Vorführung bedanke ich mich bei den Petplayern und weise sie darauf hin, dass sie verschiedene Videos erstehen können, zu Dog-Spielen zuhause und in der Natur, zum Kommandotraining nach der Methode ‚positive Verstärkung‘, zum Trainieren der nonverbalen Kommunikation echter Hunde, zum Trainieren der Fingerzeichen, anstelle der verbalen Kommandos, zum Dog-Dancing und schließlich zum Schlittenhunderennen. Die letzten beiden Videos steigen nicht so tief in die Materie ein, da es hier viele Interpretationsmöglichkeiten gibt.
Was mich bei den Stadtführungen zum Schmunzeln bringt, die wir bei individueller Anreise anbieten, ist es, dass einige sogenannte ‚Herren‘ die Devotion unserer Meidos testen. Unsere Frauen lassen kein ‚Aus der Reihe tanzen‘ zu, da sie während der Führung für alle Gäste verantwortlich sind. Sie setzen höflich, aber bestimmend, immer wieder ihren Auftrag durch. Da gibt es kein „Ich werde hier noch weiter verweilen, um dies oder das noch zu probieren!“
Stets geben diese ‚Herren‘ nach wenigen Augenblicken nach und bleiben bei der Gruppe, um dann abends zu erleben, wie die Meidos von der Aijin -Herrin des Hauses- Ariella oder mir, dem Shujin -Herrn/Meister- herumgescheucht werden, ohne deren Ehre und Respekt zu untergraben. Der von uns gepflegte Umgang mit den Frauen ist vielen Leuten neu. Manches Mal wird über die „asiatischen Benimmregeln“ gewitzelt. Ich bin mir aber auch sicher, dass Viele den gezeigten gegenseitigen Respekt zu schätzen wissen.
Mit der Zeit entsteht eine kleine Gruppe Petplayer, die unsere Bar und Hundeschule als ihren Treffpunkt und Spiellocation auswählen. Bald haben wir ein Wochenende im Monat für diese Leute reserviert.

*

Mein Herr und ich, Barbara, haben uns auf einer BDSM-Plattform im Internet kennengelernt. Er, Joe, ist kein SMler, wie die meisten hier. Aber er mag das Machtgefälle und bezeichnet sich daher als DSler, was auch ein Teilgebiet des BDSM ist. Ich habe einen seiner Beiträge in der Petplay-Gruppe geliked. Daraufhin hat er mich angeschrieben.
„Vor einem realen Treffen,“ habe ich ihm zurückgeschrieben, „würde ich gerne etwas mehr über dein Petplay erfahren!“



Dienstag, 8. September 2020
Yamato Meinu - 11
Ich stelle die Schüsseln und die Schale mit Sushi zwischen uns mittig auf den Tisch und drei Teeschälchen mit einer gefüllten Kanne an den leeren Platz. Als ich mich neben Jason niedergelassen habe, spricht dieser meinen Dad an:
„So, dann wünschen wir dir ‚Guten Appetit!‘ Greif zu.“
Gleichzeitig füllt Jason eine Schale und stellt sie vor mich. Er schaut mich dabei verliebt an und sagt:
„Guten Appetit, Schatz!“
Erst jetzt füllt er seine übriggebliebene Schale und beginnt ebenfalls zu essen. Kurz darauf hält er inne und startet mit der Fernbedienung die Musikanlage. Prüfend schaue ich ihn an, aber er schüttelt nur verhalten den Kopf. Ein Tanz zum Essen ist also nur ihm vorbehalten, nur wenn wir zu zweit sind.
Nach einiger Zeit sagt Dad:
„Euer Koch ist eine Koryphäe! Es schmeckt vorzüglich! So oft gehe ich ja nicht japanisch essen, aber wenn das wieder einmal vorkommen sollte, bringe ich bestimmt ein paar Bekannte hierher mit!“
„Aber denke daran, Dad,“ werfe ich ein, „wir brauchen in der Anfangsphase jeden Cent. Wenn du also Leute anschleppst, sollten sie ihr Portemonnaie nicht vergessen!“
Daddy lacht und meint:
„Okay, ich werde daran denken!“
Nach dem Essen fachsimpeln die beiden Männer, während ich ihnen eine Chanoya- Teezeremonie- vorführe. Sie beginnt, indem sich alle die Finger reinigen. Dazu stehen die Wasserschalen neben den Sitzplätzen. Nun reiche ich Süßspeisen herum, die den bitteren Geschmack des Tees mildern sollen.
Danach verteile ich den dicken Bodensatz auf Teeschalen und gebe ihn zuerst Dad, dann Jason. Jason stellt seine Schale an meinen Platz und nimmt mir dann die dritte Schale ab.
Inzwischen hat Dad an seiner Teeschale genippt und spuckt nun. Jason erklärt:
„Das ist der Bodensatz oder Koicha. Der ist von der Konsistenz eher so, dass man ihn isst. Keine Sorge, Tee ist gesund!“
Er macht Dad vor, wie man ihn zu sich nimmt. Daddy versucht es, stellt dann aber doch die Teeschale zur Seite.
Anschließend serviere ich den Usucha. Das ist der dünne trinkbare Tee.
Daddy bemerkt grinsend dazu:
„Ich glaube beinahe, ich habe eine Japanerin aufgezogen!“
„Nein,“ meint Jason schmunzelnd, „du hast ihr einen Auslandsaufenthalt genehmigt! Du weißt doch, wie neugierig und wissbegierig deine Tochter sein kann…“

*

Wir haben Ariellas Dad am Abend wieder nach Edmonton zurückgefahren, und uns in unser neues Zuhause eingelebt. Einige unserer Mitarbeiter sind auf Empfehlung von Amatsuka-San und der Yakuza zu uns gestoßen. Die meisten Mitarbeiter sind jedoch japanisch-stämmige Kanadier, die die Yakuza angeworben hat.
Da die Yakuza kein Risiko eingeht, sind alle japanisch-stämmigen Frauen nach Japan geholt worden, um ihnen das Ideal der Yamato Nadeshiko nahezubringen und sie zur Meido auszubilden. Die Ausbildung zur Meinu obliegt nun uns. Die meisten dieser Frauen haben zwar ihren Vater geehrt, sind aber außerhalb der Familie, in der Öffentlichkeit, im Verhalten nicht von anderen Kanadierinnen unterscheidbar gewesen.
Während der halbjährigen Bauphase sind sie von ihrer Familie nach Japan gesandt worden und haben nun das japanische Frauenideal so weitgehend verinnerlicht, dass sie es auch in der Öffentlichkeit leben. Sind sie im Auftrag alleine unterwegs, fällt sowieso keinem Kanadier ein großer Unterschied auf.
Die drei Hundetrainer aus Japan haben junge kanadische Japaner zur Seite gestellt bekommen. Sie sind nun die Meinusei -Schüler- der Shujin -Meister- und kümmern sich um alles, was ihnen im Betrieb der Hundeschule aufgetragen wird. Diese sechs Männer, sowie der Koch und sein Gakusei -Schüler-, bilden mit mir, Jason, das männliche Personal der Schule.
Wir haben sofort nachdem die Frauen aus Japan zurückgekehrt sind, wenige Wochen nach Fertigstellung der Schule, einen Kennenlern-Abend veranstaltet und geschaut, welche Pärchen zusammenfinden, Zuneigung füreinander entwickeln. Gerade auf die vier jungen Männer habe ich ein besonderes Auge und gleichzeitig ein offenes Ohr für mögliche Beziehungsprobleme der jungen Frauen. Auch Ariella hört sich unter ihnen um. Machohaftes respektloses Benehmen dulden wir nicht.
So dauert es ein gutes Jahr, in dem wir die Hunde finanzstarker Städter trainieren, bis sich das Leben bei uns entsprechend eingespielt hat und ich bei zwei jungen Frauen erstmals das Training zur Meinu beginne. Ariella zeigt den Frauen, was ich will und sie eifern ihr nach. Das machen sie besonders eifrig, da sie Ariella als Aijin -Herrin des Hauses- anerkennen. Hier hilft uns wieder das hierarchische Denken im japanischen Kulturraum.
Bald habe ich für das Meinu-Training ein rollierendes System geschaffen, so dass nach einem weiteren Jahr alle angestellten japanisch-stämmigen Kanadierinnen sowohl Meido, als auch Meinu sind, ohne dass die tägliche Arbeit darunter leidet.
Um die Frauen geistig zu fordern und ihnen gleichzeitig einen Ausgleich zu ihrem Job zu bieten, schaue ich mich nun nach Petplay-Events um. Bald habe ich eine Handvoll Locations gefunden, über das ganze Land verstreut. Dorthin fliegen wir mit kleinen Privatmaschinen zu den angegebenen Terminen und schauen uns an, was geboten wird und wie wir unsere Frauen ausstatten müssen, damit sie unter den anderen Teilnehmern nicht auffallen.
Aufgrund dieser Besuche kaufe ich unseren Frauen verschiedenfarbige Overalls. Für den Kopf besorge ich Lederhalbmasken, die sie wie Baseballcaps auf dem Kopf tragen können, und die mit einem Kinnriemen befestigt sind. So muss ich nicht auf die Mimik meiner Meinus verzichten.
Wir nehmen an mehreren Dog-Agilitys teil, wo unsere Frauen stets mittlere Plätze belegen. Grundsätzlich reicht uns das auch, denn sie haben damit ihren Ausgleich.



Montag, 7. September 2020
Yamato Meinu - 10
Nachdem ein dreiviertel Jahr vergangen ist, ziehen wir in unsere neue Hundeschule ein. Wir fahren dazu über einen Highway in die Ausläufer der nahen Rockies. Irgendwann biegen wir auf einen Privatweg ab, bis wir einen großzügigen Parkplatz erreichen, auf dem schon einige SUVs stehen. Wir parken dort ebenfalls und steigen aus. Nachdem auch mein Vater aus dem Wagen geklettert ist, gehen wir auf das Gebäude zu, bzw. auf das, was man zwischen den Bäumen am Rand des Parkplatzes sehen kann.
Es ist ein Satteldach, das etwa fünf Meter hoch ist und aus zwei schrägen Glaswänden besteht, etwa zwei Meter tief. Jason drückt die gläserne Doppeltür auf und wir betreten ein großzügiges Foyer. Eine junge Japanerin erhebt sich hinter einer Theke und kommt hervor. Sie neigt ihren geraden Oberkörper leicht vor Jason und fragt lächelnd:
„Hat der Herr einen besonderen Wunsch?“
Jason neigt den Kopf leicht und antwortet ihr:
„Nein, Masako-Chan. Ich zeige meinem Schwiegervater die Anlage.“
Sie verneigt sich noch einmal und ebenso vor meinem Vater, bevor sie wieder hinter der Theke verschwindet.
„Das geht ja schon gut los!“ meint Dad. „Wenn du für die Pforte schon Gehalt bezahlen musst, was kommt dann noch? Da musst du aber einen hohen Stundensatz nehmen!“
Ich kann es mir nicht verkneifen zu antworten:
„Das kommt noch besser, Daddy!“
Wir gehen weiter und stehen vor einem Lastenaufzug, der aussieht wie ein kleiner Zwinger oder ein großer Käfig.
„Die Hunde der Kundschaft werden hierüber in die untere Etage gebracht,“ erklärt Jason. „Die Kundschaft selbst kann sich dort in der Bar entspannen, wenn sie nur ein oder zwei Stunden gebucht haben und den Hund danach am Aufzug wieder in Empfang nehmen.“
„Und das alles muss in den Stundensatz eingepflegt werden,“ murmelt Daddy vor sich hin.
„Wer gerne japanisch essen oder eine Teezeremonie erleben will, kann natürlich auch ohne Hund kommen!“ meine ich. „Einfach nur zum Essengehen…“
„Ah, ihr habt auch eine Gastronomie!“ merkt Dad auf.
Wir gehen eine Treppe hinunter. Ich zeige nach rechts und sage:
„Dort ist die zentrale Küche für das Restaurant und die Belegschaft. Auch die Hundenäpfe werden dort gefüllt!“
Wir gehen links einen Gang entlang auf dessen rechter Seite ein Zwinger neben dem Anderen steht, die jetzt allerdings noch leer stehen. Links gehen mehrere Türen vom Gang ab. Jason öffnet einige und zeigt verschiedengroße Trainingsräume.
„Trainiert ihr denn nicht in der freien Natur?“ fragt Dad.
„Aber sicher!“ meint Jason und deutet auf Türen in der gegenüberliegenden Wand. „Das sind Außentüren.“
„Unter uns,“ erkläre ich Daddy dann noch, „liegen die Heizungs-, Geräte-, Werkstatträume und Lebensmittellager. Über einen Parallelgang kommen wir zu den Wohnungen der Angestellten, wenn sie nicht in der Stadt wohnen.“
„Ja,“ ergänzt Jason. „Unsere Wohnung liegt hinter der Bar, quasi über den Mitarbeiterwohnungen…“
Ich trete einen Schritt zurück und mache Daddy den Weg zur Treppe frei. Wir klettern die Treppe wieder hoch und betreten die Bar, um sie zu durchqueren. An der Rückseite befindet sich eine unauffällig in Wandfarbe gestrichene Tür ohne Klinke, die Jason nun öffnet. Zuerst stehen wir in einer Garderobe, neben der sich eine Treppe befindet.
„Hierüber kommen wir zu den Hunden hinunter, ohne den Publikumsbereich zu betreten… und natürlich auch in die Kellerräume,“ sagt Jason.
Geradeaus betreten wir den Living-Room, den wir im japanischen Stil eingerichtet haben. Auch haben wir Haikus -japanische Kurzgedichte- an den Wänden aufgehängt. Sie wurden von Künstlern mit dem Pinsel geschrieben. Um sie kanadischen Besuchern nahezubringen, wurden sie darunter durch Übersetzungen in Englisch und Französisch ergänzt. Daddy schaut sich interessiert um und entdeckt schließlich ein Reispapier mit japanischen Schriftzeichen und der Übersetzung:

She is your friend, your partner,
your defender, your dog.
You are her life, her love,
her leader. She will be yours,
faithful and true, to the
last beat of her heart.
You owe it to her to be
Worthy of such devotion.

Er zeigt darauf und nickt anerkennend.
„Das finde ich vorbildlich!“ sagt er.
Wir lächeln wissend und führen ihn weiter herum. Neben dem Living-Room gibt es noch ein Büro, zwei Schlafräume, ein Bad und eine große Terrasse, auf der man sich sofort draußen in der überwältigenden Natur der Rockies wähnt. Im Tal fließt ein Flüsschen über Stromschnellen und rundherum Felsen und Douglasien. Über uns zieht ein Adler vorbei.
Als wir wieder hineingehen, bietet Jason Daddy Platz an unserem Esstisch an. Obwohl Dad erst in den 50ern ist, mault er:
„Habt ihr denn keine normalen Möbel?“
Jason lacht.
„Normale Möbel wären hier ein Anachronismus,“ sagt er.
Mehr kann ich nicht mehr hören, denn ich bin unterwegs zu unserem Koch. Kurze Zeit später bringe ich ein Tablett mit Speisen herein. Jason hat inzwischen Geschirr aus dem Schrank genommen, auf dem niedrigen Tisch verteilt und Besteck dazu gelegt. Eine kleine Kanne mit Wasser steht dort und damit hat er drei Schälchen gefüllt, sowie jedem ein Tuch dazugelegt.