Freitag, 25. September 2020
Lexi -03
In den folgenden Wochen bin ich öfter bei Alexandra. Wir machen auch ausgedehnte Spaziergänge durch Feld, Wald und Wiesen am Ortsrand. Dann wird sie zur Ausnüchterung für drei Wochen in der Klinik aufgenommen. Ich bekomme ihren Wohnungsschlüssel und versorge sie in der Zeit mit frischer Wäsche und allem, was eine Frau so braucht.
Im Anschluss an den Klinikaufenthalt wird ihr psychologische Betreuung angeraten und auch ein niedergelassener Facharzt genannt. Ich bestärke Alexandra darin, die fachliche Hilfe anzunehmen. Man spürt förmlich, wie sie wieder auflebt. Auch ihre Mutter nimmt mich einmal beiseite, um mich darauf aufmerksam zu machen und mich zu bitten, mich weiter um ihre Tochter zu kümmern.
Dazwischen beim Nachmittagskaffee in der Wohnung unter mir, zeige ich ihr einmal ein Video zum Work-Out-Programm „Bear Crawl“. Ich erkläre dazu:
„Schau einmal hier… In Japan und Nordamerika hauptsächlich gibt es eine After-Work-Gymnastik, die sich ‚BearCrawl‘ nennt. Damit will man die Leute animieren, sich nach stundenlanger Büroarbeit mehr zu bewegen, einen Ausgleich zu schaffen.
Du hast jahrelang mit einem Hund zusammengelebt, als ihr noch in Kasachstan gewohnt habt. Du dürftest also die Gestik und Mimik von Hunden kennen und dich wie ein Hund verhalten können…“
„Ja… Und?“ fragt sie mich mit verständnisloser Miene.
„Erinnere dich an die Szene, als ich dich vor ein paar Monaten in der Fußgängerzone auf alle Viere geschickt habe. Du warst in der Hocke und hast dann deine Hände auf den Boden aufgestützt. Wegen der anderen Leute habe ich mich vor dich gehockt, damit es so aussieht, als ob wir etwas suchen, was dir zu Boden gefallen wäre.“
„Oh ja, das war krass!“ meint sie. „Du willst also, dass ich mich im ‚Bear Crawl‘ bewege und so tue, als wäre ich Toscha?“
„… so als wärst du ‚Lexi‘“ berichtige ich sie. „Toscha ist Vergangenheit! Lexi könnte Alex‘ Zukunft sein, wenn du magst!“
„Dann musst du aber auch Lexis Hundepapa sein, wie Papa der von Toscha war!“ sagt sie mit fester Stimme und schaut mir dabei in die Augen.
„Das will ich gerne!“ antworte ich, nicke lächelnd und lege meine Hand auf ihre.
Daraufhin rutscht sie von der Couch, geht in die Hocke und stützt sich mit den Händen ab. So macht sie eine kleine Runde im Wohnzimmer und nähert sich danach mir, um sich an mir zu reiben. Ich lächele und streichele ihr über den Rücken.
„Genauso!“ sage ich mit sanfter Stimme. „Gern kannst du auch einmal schauen, welches Fitness-Studio in der Stadt ‚Bear Crawl‘ anbietet oder sich vorstellen kann, es anzubieten. Das lässt dich mit der Zeit sicherer werden, und du hättest eine Beschäftigung, die dich nicht mehr ins Grübeln fallen lässt.“
Alex‘ macht eine Schnute und fragt mit enttäuschter Stimme:
„Ich dachte, du wärst mein Fitnesscoach?“
Ich grinse und meine:
„Gern, aber ich habe keine Fitnessgeräte und einen entsprechenden Raum mit entsprechendem Bodenbelag.“
„Geht das denn nicht überall?“ fragt sie zurück.
„Theoretisch ja… Okay, dann besorge ich Pfotenschuhe XXL im Hundeshop und was es da sonst noch so alles gibt!“

*

Zwei Tage darauf ergibt sich die Gelegenheit und wir gehen zusammen in den Raiffeisen-Shop im Industriegebiet. Ich führe sie zu den Accessoires und wir probieren einiges aus. Nach vielleicht fünf Minuten zwischen den Regalen kommt wie zufällig die Verkäuferin vorbei.
Ich habe gerade das Hundehalsband in der Hand, das mir Alex‘ gezeigt hat. Es ist leider ein paar Zentimeter zu kurz. Spontan spreche ich die Verkäuferin an:
„Entschuldigen Sie bitte! Haben Sie dieses Halsband vielleicht auch eine Nummer größer – also länger?“
Die Verkäuferin schaut erstaunt wechselweise mich, Alexandra und dann wieder mich an.



Donnerstag, 24. September 2020
Lexi -02
„Ja,“ meint sie. „Lieber ein andermal.“
„Okay,“ sage ich. „Versprich mir aber, dass du dir therapeutische Hilfe holst!“
„Ja, mache ich!“
‚Hm,‘ denke ich. ‚Das sagt sich leichter, als man es in die Tat umsetzt.‘
Bald bin ich eingeschlafen.
Am nächsten Morgen mache ich uns ein Frühstück und biete ihr an, sie zu der Klinik zu bringen, damit sie sich dort einen Termin holt. Sie nickt nur dazu. Also packe ich sie nach dem Frühstück ins Auto und fahre mit ihr zu der Klinik. Dort macht sie ein paar Voruntersuchungen. Danach folgt ein Gespräch mit dem Facharzt und sie erhält tatsächlich einen Termin. Demnach sieht auch der Arzt eine medizinische Indikation als gegeben an.
Nun ist es Mittag. Also gehen wir auf der Suche nach einem Restaurant durch die Fußgängerzone. Unterwegs kommt mir ein Gedanke. Ich sage zu Alexandra, die neben mir geht:
„Stell dich mal eben vor mich und schau mich an.“
Sie schaut mich verständnislos an, lässt sich aber in die gewünschte Position schieben.
„So, jetzt gehen wir beide in die Hocke,“ sage ich. „Schau mich dabei ruhig weiter an. Die Passanten interessieren uns nicht! Uns könnte ja etwas herunter gefallen sein…“
Sie ahmt mich nach. Als wir uns beide gegenüber hocken, sage ich:
„Und nun setze deine Hände vor deine Knie auf den Boden! Schau ruhig immer noch genau in meine Augen. Fixiere mich.“
Sie setzt ihre Hände vor sich und ist damit im Vierfüßler-Stand. Eine Sekunde lasse ich sie so. Sie beginnt unsicher zu lächeln. Nun sage ich:
„Okay, komm wieder hoch.“
Ich erhebe mich und helfe auch ihr hoch. Dann gehen wir weiter. Bald darauf haben wir ein Fast-Food-Restaurant gefunden, besetzen einen Tisch und schauen in die Karte. Nachdem ich weiß, was sie mag, gehe ich zur Theke und gebe unsere Bestellung ab. Nachdem ich das Tablett erhalten habe, bringe ich es zu unserem Tisch und serviere ihr ihre Bestellung. Wir beginnen mit unserem Mittagessen.
Dabei frage ich wie nebenbei:
„Wie hast du dich eben auf allen Vieren gefühlt?“
„Unsicher,“ meint sie und schaut mir dabei in die Augen. „Und ich habe mich leicht geschämt! Aber du warst ja bei mir…“
„Also könntest du dir vorstellen, dich öfter auf allen Vieren zu bewegen?“
„Aber möglichst nicht, wenn so viele fremde Leute um mich herum sind! Dazu gehören viel Vertrauen und Akzeptanz!“
Ich nicke und pflichte ihr bei:
„Das stimmt: Vertrauen und Akzeptanz. Draußen in der Fußgängerzone auf allen Vieren herumlaufen brauchst du nicht!“
„Wie bist du überhaupt darauf gekommen?“
„Das war ein spontaner Impuls,“ antworte ich ihr. „Du hast mir ja mal von dem Alptraum erzählt, weswegen du einmal bei mir übernachtet hast: Von dem Braunbären und dem Rudel Wölfe… Von sowas kann wohl nur jemand träumen, der in Kasachstan aufgewachsen ist.“
Beim letzten Satz zwinkere ich ihr lächelnd zu.
„Na, hör mal!“ bricht es aus ihr heraus. „Unsere Toscha hat eines Morgens angeschlagen. Bevor Papa im Hof war, hat es gekracht und Toscha hat aufgeheult vor Schmerz. Papa hat seine Flinte geholt und den Bär verscheucht. Toscha wurde verwundet und ist wenige Tage später daran gestorben. Der Bär hatte es auf den Bienenstock abgesehen, der uns ein paar Nebeneinnahmen gebracht hat. Wir mussten danach auch neue Bienen kaufen…“
„Hm,“ mache ich. „Aber denke nun nicht, weil eure Toscha damals tödlich verletzt worden ist und später dann dein Mann früh verstorben ist, du hättest das Unglück gepachtet! Versinke nicht in Selbstmitleid, sondern schaue zuversichtlich in die Zukunft! Wenn du magst, helfe ich dir auf freundschaftlicher Basis.“

*



Mittwoch, 23. September 2020
Lexi -01
Ich habe Alexandra kennengelernt, als ich in diesen Wohnblock eingezogen bin. Sie steht Tage darauf plötzlich vor der Wohnungstür, lange braune Haare und rehbraune Augen, und bietet mir an für Kaffee und Kuchen zu ihr in die Wohnung unter mir zu kommen. Die Einladung nehme ich gerne an, bin ich doch selbst neugierig, was mich dort erwartet. Auch sehe ich es als positiv an, auf diese Art damit beginnen zu können neue Kontakte zu knüpfen.
Ich sage zu und folge ihr. Sie führt mich in die Appartementwohnung genau unter meiner. Die ältere Frau, die dort schon am Couchtisch sitzt, stellt mir Alexandra als ihre Mutter vor. Ich darf mich setzen und werde mit einem Stück Kuchen bewirtet.
Während Alexandra mir Kaffee einschenkt, beginnt das Verhör durch ihre Mutter. Ich gebe bereitwillig Auskunft über meine persönlichen Verhältnisse. Irgendwie kommt das Gespräch auch auf Alkohol. Ich erkläre, dass ich aus früheren Verbindungen gelernt habe, dass Alkohol der Beziehungskiller Nummer Eins ist, und dass ich selbst keinen Alkohol trinke.
Die Mutter schaut ihre Tochter bedeutungsvoll an und beginnt nun von einem Schicksalsschlag ihrer Tochter zu berichten. Die Familie ist vor der Jahrtausendwende als Spätaussiedler aus Russland gekommen. Ihr Schwiegersohn ist schon nach zwei Jahren in der neuen Heimat verstorben. Nun hat Alexandra wohl Trost und Vergessen beim russischen Wässerchen gesucht.
Das ist natürlich tragisch, aber muss es mich berühren? Ich bin kein Therapeut, also kann ich ihr nicht helfen. So vergehen einige Monate des Nebeneinanders, des freundlichen Grüßens, der persönlichen Distanz.

*

Als es wieder einmal an meiner Wohnungstür klingelt und Alexandra im Rahmen steht, hat sie ein Amtsschreiben in der Hand und fragt, ob ich es für sie ausfüllen könnte.
Ich bitte sie gerne zu mir herein. Wir setzen uns übereck an meinen Küchentisch und breiten das Formular zwischen uns aus. Frage für Frage lese ich ihr laut vor und sie antwortet mir entsprechend. Die Antworten dokumentiere ich im Formular. Angehängt ist eine Liste von Nachweisen. Die Nachweise bringt sie mir anschließend und ich kopiere sie mit meinem Drucker.
Dabei frage ich sie, sie es ihr gesundheitlich geht. Ich biete ihr an, sie zu einer nahen Entzugsklinik zu bringen und ihr auch weiterhin zu helfen, wenn sie wieder Zuversicht zum Leben fasst – immer aus freundschaftlicher Distanz vorerst.
Sie hört mir zu und bedankt sich für die Hilfe beim Amtsschreiben. Ich verabschiede sie lächelnd.
Ein paar Wochen darauf klingelt es mitten in der Nacht an meiner Tür. Ein kurzer Blick auf meine Uhr sagt mir, dass es kurz nach Mitternacht ist. Ich öffne und runzele die Stirn. Alexandra steht da, ziemlich aufgelöst. Ich bitte sie erst einmal herein.
Sie erzählt, dass sie wach geworden ist, weil sie einen Alptraum hatte, und fragt:
„Kann ich die Nacht bei dir verbringen?“
Ich nicke ergeben. Während ich das Gästebett auseinander klappe, frage ich:
„Gesetzt der Fall, ich würde nicht hier wohnen, was hättest du dann gemacht?“
„Ich wäre wahrscheinlich zu meiner Mutter gegangen und hätte einen Schlaftrunk genommen…“
„Wodka?“ schieße ich wie einen Pfeil auf sie ab.
Sie nickt.
„Hast du…?“
Sie schüttelt vehement den Kopf.
„Hmm…“ brumme ich.
„Wirklich!“ sagt sie mit weinerlicher Stimme.
Inzwischen habe ich das Gästebett bezogen und neben meine Bettcouch platziert, nur die Rückenlehne trennt uns.
Ich lösche das Licht und lege mich ebenfalls schlafen.
„Magst du mir erzählen, was dich so verängstigt hat, oder würde es dich so aufregen, dass du nicht mehr schlafen kannst?“



Sonntag, 20. September 2020
Yamato Meinu - 23
Moe hat dabei den Knochen verloren und Akina schnappt sich ihn. Beide sind dabei nicht mehr weit von uns entfernt. Nun greift Moe nach einem Hinterbein von Akina und bringt sie zu Fall.
Sofort steht Moe über Akina und knurrt. Akina dreht sich auf den Rücken. In diesem Moment sind wir bei ihnen. Ich ziehe Moe am Rücken-Ring weg und nehme das Spielzeug vom Boden auf. Dabei sage ich:
„YAMERU -HALT-, DAME -NICHT GUT-, Moe-Chan! Seid Freundinnen, nicht Konkurrentinnen! Spielt miteinander! Jagt euch! Es ist egal, wer das Spielzeug ergattert. Im Spiel darf jeder einmal gewinnen oder verlieren!“
Anschließend werfe ich den Knochen ein zweites Mal. Diesmal laufen beide Meinus gleichzeitig los. Akina erreicht ihn zuerst, nimmt ihn auf und schaut sich nach Moe um. Sie hat Akina inzwischen erreicht und zeigt ihr nun die Spielverbeugung.
Akina jedoch wirft den Kopf in den Nacken und läuft weiter in die Wiese hinein, auf eine kleine Baumgruppe zu. Moe trabt ihr hinterher, und auch wir beeilen uns, näher an das Geschehen heran zu kommen. Als wir die Baumgruppe erreichen, sind beide Meinus verschwunden. Wir schauen uns ergebnislos um.
Mein Freund beginnt als Erster nach seiner Meinu zu rufen.
„AKINA-CHAN!? DAIJOBUDESUKA -Alles in Ordnung-?“
Keine Antwort! Nun rufe auch ich:
„MOE-CHAN!? DAIJOBUDESUKA?“
Sofort danach hören wir ein:
„BOW WOW WOW!“ zwischen den Bäumen.
Ich atme auf und rufe:
„Moe-Chan, UCHI NI OIDE -ZU MIR KOMMEN-!“
Wir haben unsere Aufmerksamkeit auf die Baumgruppe mit Buschwerk gerichtet. Daher merken wir nicht, wir sich ein Körper in Bodennähe anschleicht.
Plötzlich gibt Hitachi-San neben mir einen Laut der Überraschung von sich und klappt zusammen. Zuerst geht er in die Knie. Dann stürzt er um. Neben ihm steht seine Meinu und leckt ihm nun über die Wange.
Mein Freund lacht und versucht sich seiner Meinu zu erwehren. In diesem Moment streicht Moe mit ihrer Flanke an meinem Oberschenkel entlang. Ich streiche ihr zart durchs Haar und halte meine hohle Hand vor ihren Mund.
„DERU -AUS-!“ sage ich und sie lässt den Knochen in meine Hand fallen.
Inzwischen erhebt sich Hitachi-San wieder.
Ich hocke mich vor Moe, nachdem ich den Knochen eingesteckt habe und sage zu ihr:
„MOE-CHAN! DANSEI -MÄNNCHEN-!“
Sie erhebt sich nun mit dem Oberkörper aus der SITZ-Position und hebt die Vorderpfoten in Schulterhöhe.
„Hai, subarashi -Ja, wunderbar-!“ lobe ich sie und gebe ihr ein Leckerlie.
Hitachi-San lässt seine Meinu Akina nun auch die Kommandos, eins nach dem anderen ausführen. Akina hat die Kommandos in der Meinu-Do -Hundeschule- gelernt, während meine Moe sie aus den Kursen im Meinu no kainushi kurabu --Club der Besitzer von Hündinnen- kennt.
Anschließend lassen wir die Meinus noch etwas über die Wiese jagen. Darüber vergeht eine gute Zeit. Es wird langsam dämmrig, als wir zum Wagen zurückkehren.
Dort wechseln die Frauen ihre Overalls gegen die Alltagskleidung und wir fahren zurück. Unterwegs verabreden wir uns für den nächsten Clubabend. Mein Freund lässt mich aber nicht ziehen, ohne mich einzuladen, kurz zu ihnen herein zu kommen.
Also betreten wir mit ihm seine Wohnung, schlüpfen aus unseren Schuhen und ziehen bereitstehende Schlappen an, nachdem Moe-Chan und ich in der Tür „O-jama shimasu -Ich störe jetzt!“ gesagt haben. Wir schenken dem Hausherrn je eine kleine Tüte KitKat Matcha, die wir für solche unverhofften Gelegenheiten mitführen.
Mein Freund führt uns zum Essplatz und wir lassen uns dort nieder. Akira ist schnell in der Küche verschwunden. Wenige Minuten später kommt sie mit einem Tablett an den Tisch. Hitachi-San hat derweil Wasser und Gästetücher an den Tisch gebracht und sich ebenfalls niedergelassen.
Nachdem vor uns allen eine gefüllte Schale steht, falte ich die Hände und führe sie ans Kinn bei einer gleichzeitigen leichten Verbeugung. Dabei sage ich:
„Itadakimasu -Guten Appetit-!“
Nachdem wir die festen Bestandteile des Abendessens mit den Stäbchen aus der Brühe gefischt haben, äußert sich auch Moe-Chan mit einem „Oishii -Lecker-!“
Anschließend schlürfen wir die Brühe aus der Schale und endlich loben wir unsere Gastgeber mit „Gotchi sou sama deshita -Das war ein wirkliches Festessen-!“
Während des Essens hat mein Freund eine moderne Hintergrundmusik gewählt und wir haben über das Zusammenleben mit Meinus gesprochen, die oft in die Rolle der Meido -Magd- switchen.
Er hat mir erklärt, dass er über das Haushaltsmanagement Akina-Chans angenehm überrascht gewesen ist und darüber, wie sie ihren Shi -Herrn- verwöhnt.
Ich nicke dazu und verbeuge mich leicht in Richtung Akina-Chans. Zu Hitachi-San sage ich:
„Du hast eben eine Meido, eine Serva und keine Dorei, Sklavin, im Haus. Gemäß dem Frauenideal der Yamato Nadeshiko -japanischen Prachtnelke-, hast du zuhause ein ‚Lamm‘: Sie will dir gefallen in allem was sie tut. Gegenüber Fremden hast du dagegen eine ‚Löwin‘: Sie ist willensstark und setzt sich durch. Dadurch tut sie alles für euer Wohl und zu deinem Schutz. – Ganz im Gegensatz zu dem immer westlicher werdenden Lebensstil in unserem Umfeld.“
Ich mache eine kurze Gedankenpause und rede dann weiter, ein wenig auch an Akina-Chan gerichtet:
„Ich erinnere mich noch, dass der ehrenwerte Shujin der Meinu-Do gesagt hat: Es braucht eine gewisse Zeit, das Vertrauen und die Zuneigung seiner Meinu zu gewinnen. Das braucht Geduld, denn es kann Tage, aber auch Wochen dauern.
Ihr beide scheint euch ‚gesucht und gefunden‘ zu haben…“
Beide verbeugen sich lächelnd in meine Richtung und heben die gefalteten Hände. Mein Freund sagt:
„In dieser Richtung haben wir dir viel zu verdanken, mein Freund!“
So wird es ein herzlicher Abschied an diesem Abend. Sie begleiten uns zur Tür, wo wir unsere Schuhe anziehen. Beim Hinausgehen sage ich noch:
„O-jama shimashita -Ich habe gestört-.“
Bevor die Tür zufällt, rufe ich noch ein „Mata ashita -Bis Morgen!“, da wir uns ja morgen früh im Büro schon wiedersehen.
Dann gehen wir zu unserem Auto und fahren nachhause.



Samstag, 19. September 2020
Yamato Meinu - 22
Wir verabreden uns in drei Wochen im Club. Am nächsten Wochenende wollen wir aber schon einen Nachmittag gemeinsam mit unseren Meinus in der Natur verbringen. Danach fahren wir zu uns nachhause. Es ist ein ereignisreicher Tag gewesen, besonders für Moe. Sie hat das erste Mal eine Meinu-Do von innen gesehen.

*

Dann ist das nächste Wochenende heran. Wir fahren zur vereinbarten Uhrzeit zu Hitachi-San und ich klingele ihn mit dem Handy für ein Videogespräch an.
„Moshi -Ich werde reden-. Ohayo gozaimasu -Guten Morgen-, Hitachi-San. Saikin dou -Was geht-? Wir wollen ins Grüne.“
„Yoo -Hi-, wir sind gleich unten,“ gibt Hitachi-San zurück.
Und wirklich! Wir warten nicht lange, da kommen mein Freund und seine Meinu aus der Eingangstür des Wohnblocks, in dem ihre Wohnung liegt. Akina trägt ein brombeerfarbenes Shirt und darunter einen braunen wadenlangen Rock. Noch trägt Moe eine weiße Rüschenbluse und einen schwarzen Rock.
Für das Spiel in der freien Natur hat Moe einen zweifarbigen Overall dabei, der dunkelbraun ist und am Bauch hellbraun abgesetzt.
Hitachi-San bietet uns an, den Wagen dort stehen zu lassen, wo wir geparkt haben und mit seinem Fahrzeug weiter zu fahren, was ich gerne annehme. Kaum sitzen wir im Auto, spreche ich Hitachi-San auf den Overall an.
„Sumimasen -Entschuldigung-! Hast du für Akina-Chan schon ein Outfit gekauft? Das ist besser, als sie die Rolle nackt in der Öffentlichkeit ausfüllen zu lassen.“
„Nein,“ antwortet er. „Wo bekomme ich so etwas?“
Ich leite ihn durch den Verkehr der Stadt und dann stehen wir auf dem Parkplatz eines Hauses, in dem man auch Cosplay-Outfits kaufen kann. Dort stöbern wir und schließlich findet Akina einen Overall in Schwarz aus Lycra-Wetlook. Sie zeigt ihn Hitachi-San und fragt, was er davon hält. Mein Freund schaut mich hilfesuchend an.
Ich biete ihm an, Akina-Chan den Overall anprobieren zu lassen. Akina-Chan lächelt, verbeugt sich und verschwindet in einer Umkleidekabine. Bald ruft sie nach ihrem Shi -Herrn-. Wir nähern uns der Kabine und schirmen sie vor neugierigen Blicken ab. Hitachi-San öffnet den Vorhang und schaut zuerst irritiert. Einen Sekundenbruchteil später hat er Akina auf allen Vieren vor sich entdeckt.
Moe geht sofort in die Hocke und zupft an dem Overall herum. Danach scheint er zu sitzen. Mein Freund macht auch ein fröhliches Gesicht und entscheidet, dass er ihr den Overall kauft, wenn sie ihn mag. Akina erhebt sich und nickt lächelnd. Wir gehen also zur Kasse und Hitachi-San zückt seine Kreditkarte.
Kurz darauf sitzen wir wieder im Wagen und fahren als Erstes zu einem Restaurant.
Vom Parkplatz gehen wir eine kurze Strecke durch eine Fußgängerzone. Im Schaufenster des Restaurants sind die Speisen in Kunststoff ausgestellt, die man hier ordern kann. Wir betreten das Restaurant und werden sogleich angesprochen. Eine Frau verbeugt sich leicht mit geradem Oberkörper und angelegten Arme. Sie wünscht:
„Irasshaimase -Willkommen.“
Dann richtet sie sich wieder auf und fragt:
„Nan mei sama desu ka -Wie viele Personen-?
Ich weise auf meine Begleitung und erkläre lächelnd:
„Vier Personen.“
„Kitsuen seki desu ka -Möchten Sie einen Platz im Raucherbereich-?“ fragt sie nun.
Ich antworte ihr kurz:
„Kinen seki desu -Nichtraucherbereich.“
Anschließend führt sie uns zu einem freien Tisch und schlägt vor:
„Kochira e douzo -Bitte setzen Sie sich hier hin-.“
Wir setzen uns an den Vierertisch. Die Bedienung reicht Hitachi-San und mir die Speisekarte mit den Worten:
„Menyuu ni narimasu -Hier ist das Menü-!“
Mein Freund meldet sich:
„Ohiya onegai shimasu -Ich möchte bitte Wasser-!“
Bevor die Bedienung geht, verständige ich mich durch Blicke und melde mich ebenfalls:
„Wir alle möchten Wasser!“
Als die Bedienung zurückkommt, hat sie vier Schälchen Wasser auf einem Tablett dabei und vier Gästehandtücher. Inzwischen haben wir unser Essen und die Getränke ausgesucht, und geben unsere Bestellung ab.
Anschließend nehmen wir aus einer Schublade auf dem Tisch unsere Stäbchen. Auf dieser Schublade stehen Zahnstocher, Gewürze, Soyasauce und Servietten bereit. Nachdem wir gegessen haben, frage ich nach der Rechnung:
„Okaikei wo onegai shimasu -Die Rechnung, bitte-!“
Wir erheben uns und gehen zur Kasse neben dem Ausgang. Dort zahle ich den Rechnungsbetrag und wir verabschieden uns mit:
„Arigatou gozaimasu -Vielen Dank-!“
Danach gehen wir zum Fahrzeug zurück und verlassen die Stadt. Wir fahren einige Kilometer, bis wir eine Brachfläche mit Gras und einigen Bäumen gefunden haben. Hier halten wir und steigen aus. Die Frauen ziehen ihre Overalls an und ich schnalle mir meine gefüllte Gürteltasche um. Mein Freund nimmt einen alten Ball und ein Frisbee aus dem Auto. Spielzeug, bestimmt aus seinen Kindertagen.
Anschließend gehen wir ein Stück in die Wiese hinein. Moe und Akina traben auf allen Vieren neben uns her. Dann lasse ich Moe von der Leine und auch Hitachi-San löst die Leine aus dem Rücken-Ring im Geschirr von Akina.
Inzwischen habe ich einen Gummiknochen aus der Tasche gezogen, der bei Druck auf ihn quietscht. Ich zeige ihn Moe und sage:
„Schau, Moe-Chan. FETCHI -HOL-!“
Anschließend werfe ich den blauen Knochen mit Schwung weg. Moe hat sich kurz auf die Fersen gesetzt, als ich die Leine gelöst habe. Nun trabt sie auf allen Vieren in die Richtung davon, in die der Knochen verschwunden ist.
Hitachi-San lächelt und sagt seinerseits:
„Akina-Chan, SAIKO -LOS GEHT’S! Zeig‘ was du kannst!“
Jetzt läuft auch Akina los und versucht, Moe einzuholen. Moe ist jedoch zuerst am Spielzeug angekommen und nimmt es vom Boden hoch. Wir sehen, wie Akina die Spielverbeugung macht. Sie beugt ihre Ellbogen, so dass ihr Kopf halb im Gras verschwindet, während ihre Hüfte oben bleibt.
Moe ist einen Moment verunsichert. Sie schaut zu mir, dann zu Akina und schließlich wieder zu mir. Dann läuft sie los, um mir das Spielzeug zu bringen. Akina verfolgt sie, holt Moe ein und stößt sie um, als sich ihre Schultern im parallelen Lauf berühren.