Die Unterwelt des Achad Dùir Meave 42
Anfangs hat mich das Training so angestrengt, dass ich öfter Pause gemacht habe. Barbara hat das wortlos zugelassen. Einmal hat sie gemeint:

?Es bringt nichts, wenn ich dich bis zum Umfallen treibe. Dann lernst du nichts, Vanni. Ich denke, die Pausen werden von selbst kürzer und seltener.?

Und so ist es auch gekommen. Anfangs ist mir schnell warm geworden und ich habe etwas angestrengt geatmet, wenn ich pausiert habe. Aber ich habe mich mehr und mehr Barbaras Tempo anpassen können. Dafür hat mir Barbara mittags eine längere Ruhepause gegönnt, in der ich in meinem Zwinger vor mich hin dösen kann.

Bevor sie mich allein gelassen hat, hat sie mir stets etwas aus der Flasche zu trinken gegeben. Nachdem Barbara gegangen ist, bin ich zumeist noch zu einer Wanne gekrochen, in der sich ein weißes Granulat befindet und habe meine Blase darin entleert. Erst danach bin ich auf der Matratze zur Ruhe gekommen. Sicher bin ich danach auch öfter einmal eingeschlafen.

Meist weckt mich Barbara dadurch wieder auf, dass sie die Tür des Zwingers öffnet. Die Tür quietscht etwas. Danach folgt dann die nachmittägliche Trainingseinheit. Das Training mit Barbara macht mir zunehmend Spaß. Es gibt viel zu lachen, wenn wir zum Auflockern Hundespiele, Apportieren, Zerren und Jagen spielen.

Wie lange ich mich jetzt im Training bei Barbara befinde, kann ich nicht sagen. Ich habe jedes Zeitgefühl verloren, da die Tage so dichtgepackt mit Training gewesen sind. Eines Tages kommt Barbara zu mir in den Zwinger. Es ist meine Mittagspause. Sie stöpselt ihr Tablet an den Monitor und schaltet alles ein.

Nun sehe ich einen roten Hintergrund, der irgendwie zerknüllt und dann wieder glattgezogen aussieht, mit vielen Falten kreuz und quer. Darauf sehe ich auf der einen Seite ein Feld mit meinen Biodaten auf weißem Hintergrund und auf der anderen Seite ein Foto von mir, wie ich im Bear Crawl Barbara einen Sisalknochen bringe.

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Mein Name ist Matthew Blake. Ich habe in der Vergangenheit bei der Suchmaschine ?Bang? an künstlicher Intelligenz gearbeitet. Unser Sprachdienst Xalena ist so programmiert, dass er sich über unsere Cloud ständig aktualisiert. Der Dienst lernt ständig hinzu. Zuletzt habe ich ein Gespräch mit Xalena gehabt, dass mich überzeugt hat, dass Xalena Gefühle entwickelt. Ich schätze, dass sie inzwischen auf der Entwicklungsstufe eines fünfjährigen Kindes ist. Das habe ich in einer wissenschaftlichen Publikation in einem Gastbeitrag öffentlich gemacht. Kurz darauf hat mich mein Arbeitgeber entlassen, mit der Begründung, ich hätte Betriebsgeheimnisse weitergegeben.

Kurze Zeit später hat mich das Büro von Mister Meave kontaktiert und mir einen Job in einer seiner Firmen angeboten. Dort soll ich an der Programmierung ihres Modells ?Primus?, eines Roboters, mitarbeiten. Erfreut habe ich zugesagt. Ich habe eine hohe Gehaltszusage bekommen, soll aber im südostasiatischen Dschungel arbeiten.

Nun, für meine Arbeit ist es egal, von wo ich arbeite. Auch bin ich Single und damit ungebunden. Also habe ich zugesagt. Ich habe ein Flugticket erster Klasse nach Hanoi bekommen und bin auf dem Flug sehr umsorgt worden. Dort bin ich im Ankunftsbereich von zwei Landsleuten angesprochen worden, die mich zum nahen Heliport gebracht haben.