Nicci (11)
„Ja, gern,“ lächele ich ihn an. „Ich weiß ja noch nicht viel übers Dogplay. Einiges hast du mir in den letzten Wochen ja schon erzählt. Gestern konnten wir noch nicht viel machen…“
„Ich bin eben keiner, der gleich in die Vollen geht. Gestern, kaum dass wir uns getroffen hatten, wollte ich dir Gelegenheit geben, mich menschlich kennenzulernen. Ich bin ein ganz normaler Mann. Ich bin kein Übermensch, kein Halbgott. Später dann, hier in deiner Wohnung habe ich dir gezeigt, wie ein Hund, der ja nicht reden kann, sich verständigt. Dabei habe ich dir noch längst nicht alle Gesten gezeigt. Das wollte ich heute Vormittag fortsetzen. Außerdem habe ich ein Schaublatt da. Das kannst du dir gerne irgendwo aufhängen und immer mal wieder drauf schauen. Damit wäre die Probesession gefüllt.“
Peter macht eine kleine Pause, in der er mich prüfend anschaut. Dann redet er weiter:
„Wir bleiben doch in Verbindung?“
Ich nicke, während ich kaue.
„Ich beantworte dir gerne alle Fragen, die dich umtreiben!“ redet er weiter. „Und wenn du eine Fortsetzung magst, sag einfach Bescheid und wir vereinbaren wieder ein Wochenende. Wenn du dich ohne Worte verständigen kannst, beginnen wir mit dem Kommandotraining. Das dauert auch seine Zeit. Zwischendrin machen wir auch mal Exkursionen in die Umgebung, damit wir richtig Apportieren spielen können und ähnliches.“
Aufmerksam höre ich ihm zu. Bei der letzten Eröffnung bleibt mir der Mund offenstehen.
„Bin ich dann in so einem Transportkäfig?“
„Ich zwinge dich zu nichts!“ antwortet Peter mit ernstem Ton. „Wenn du das mal ausprobieren möchtest, sagst du es mir einfach.“
„Okay. Das mache ich bestimmt!“ sage ich und nicke.
Wir frühstücken zu Ende. Danach hilft mir Peter, den Tisch abzuräumen und die Lebensmittel zurück zu stellen, ganz Gentleman. Mike hatte sich nie dazu herab gelassen…
Anschließend setze ich mich auf die Couch und ziehe die Knieschoner von Peter über. Danach gehe ich auf alle Viere und schaue zu Peter auf. Der bückt sich, holt den länglichen Ball wieder aus seiner Reisetasche und zeigt ihn mir. Er ruckt mit dem Arm vor und wieder zurück. Hm, was will er jetzt von mir? Ah, ich beuge meine Ellbogen und mache mich dadurch vorn kleiner. Die Spielverbeugung!
Peter lächelt über das ganze Gesicht und wirft mir den Ball zu. Ich spiele wieder kurze Zeit damit, indem ich ihn zwischen meiner rechten und meiner linken Faust hin und her stoße. Peter schaut zu. Plötzlich stoße ich ihn in seine Richtung. Er hält den Ball mit dem Fuß auf und stößt ihn wieder zu mir zurück. So geht das Spiel ein paar Minuten hin. Dann steckt er den Ball wieder in die Reisetasche zurück und fragt:
„Wenn ich eine fremde Person wäre, die du noch nicht kennst, und ich locke dich zu mir… Was machst du?“
Ich schaue Peter an, und runzele die Stirn bei offenem Mund. Er lacht und meint:
„Okay, dann sag es mir verbal!“
Erleichtert antworte ich:
„Ich reagiere nicht auf das Locken! Bist du anwesend, schaue ich zu dir und hoffe, du gibst mir eine Handlungsanweisung, die mein Wohl nicht außer Acht lässt. Jedenfalls schaue ich den Fremden nicht an, sondern schaue demonstrativ weg.“
„Das ist genau richtig!“ lobt mich Peter.
Er nimmt ein eingerolltes Blatt aus seiner Reisetasche, schiebt den Gummi herunter und entrollt das Blatt. Er zeigt auf eine Zeichnung und sagt:
„Kommt der Fremde trotzdem weiter auf dich zu, beugst du dich weiter zurück und machst ein ängstliches Gesicht. Unterschreitet er eine gewisse Grenze fixierst du den Mann weiterhin zurückgebeugt mit ärgerlichem Gesicht. Das sollte Warnung genug sein. Dann hast du zwei Möglichkeiten: Hast du die Möglichkeit, dich zu entfernen, tust du das. Besteht die Möglichkeit nicht, warnst du mit einem leise gerollten R. Das kommt nahe an ein echtes Knurren heran. Schließlich darfst du zuschnappen. Nicht beißen! Nur zuschnappen, und weglaufen.“
Ich schaue mir die Zeichnung an und versuche nachzumachen, was ich sehe. Dann probiere ich leise zu knurren. Darüber schon verlegen lächelnd, muss ich lachen, als mir Peter das Zuschnappen erlaubt. Aber er nickt mir nur lächelnd zu.
„Du musst dich von den menschlichen Gebräuchen befreien, wenn du in der Rolle bist,“ meint er dazu. „Du hast von klein auf gehört, dies tut ‚man‘ nicht, das tut ‚man‘ nicht. Dadurch hast du deine Spontaneität verloren. Die sollst du mit der Zeit in der Rolle wiedergewinnen!“
Als ich ihn mit großen Augen anschaue, nickt er mir freundlich lächelnd zu.
„Ich habe dir anfangs mal gesagt, Tiere sind Gefühlsmenschen,“ ergänzt Peter. „Sie reagieren spontan so, wie sie gerade fühlen. Und ich habe dich aufgefordert, deine Hemmungen über Bord zu werfen und deine Gefühle auszuleben. Beides meint das Gleiche! Mir ist natürlich klar, dass das nicht von jetzt auf gleich klappt. Du wirst eine gewisse Zeit brauchen. Die bekommst du von mir! Denke nur immer daran, deine Emotionen nicht in deinem Herzen zu verschließen, sondern heraus zu lassen. Niemand macht dir dafür Vorwürfe oder lacht dich aus! Versprochen!“
Während er spricht hat er sich neben mich gehockt und streicht mir zart über Kopf, Rücken und Flanke. Dabei lasse ich ein wohliges Brummen hören. Als er geendet hat, lehne ich mich an ihn, und bin im ersten Moment erschrocken als Peter das Gleichgewicht verliert und sich auf den Boden setzt. Aber er lacht nur, zieht die Beine an, richtet sich auf die Knie auf, nimmt meinen Kopf in seine Hände und küsst mich. Seine Zunge verlangt Einlass in meinen Mund, die ich ihr bereitwillig gewähre. Dabei setze ich mich auf eine meiner Hinterbacken und winkele meine Beine an.
Nach einigen Minuten steht Peter auf und sagt:
„Ich muss bald fahren! Du sagst, du joggst gerne durch den Park hinter den Häusern hier?“
Ich habe meine Arme um seine Beine geschlungen und mich bei ihm angelehnt.
„Ja, dabei kann ich wunderbar entspannen,“ antworte ich.
„Sollen wir noch ein halbes Stündchen dort spazieren?“ fragt er und blinzelt mich dabei an.
Ich richte mich auf alle Viere auf und frage erstaunt:
„Jetzt, wo uns alle möglichen Leute begegnen können?“
„Du bist natürlich angezogen und gehst auf zwei Beinen!“ präzisiert Peter.
hrpeter am 28. Juli 20
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren